
    »Ja! Nämlich solche, welche zu gebieten und solche, welche zu gehorchen
haben. Die Herren sind schon erzogen; die anderen aber müssen es sich gefallen
lassen, dass man es mit ihnen tut.«
    »Und dazu seid wohl ihr Frauen da?«
    »Ja! Denn zur Erziehung eines Mannes gehört außerordentlich viel Liebe,
Geduld und Energie, und diese drei sind nicht bei euch, sondern nur bei uns zu
finden. Wenn du das nicht glaubst, so frage nur mein Kind! Du wirst von ihm
erfahren, was für Mühen und Sorgen mir seine Erziehung bereitet hat und auch
heute noch bereitet. Es ist kein Spaß, die Mutter eines Jungen zu sein, der fast
ganz genau so alt ist, wie ich selber bin. Er ist sogar einige Monate älter! Ich
sage dir, Effendi, es hat keinen geringen Kampf gekostet, mich bei ihm in
Respekt zu setzen, denn er glaubte, dass die Pflicht des Gehorsams nach der
Körperlänge zu bestimmen und zu bemessen sei. Er aß für drei oder vier Personen,
und dadurch sammelte sich in seinem Körper jene heimtückische Kraft zum Wachstum
an, welche ihn später so überaus schnell in die Höhe trieb. Es gab eine Zeit, in
der ich, wenn ich genau aufpasste, ihn wachsen sehen konnte. Ich aber blieb
klein. Das kränkte mich. Ich wollte so gern in gleicher Länge mit ihm bleiben.
Darum begann ich, ebenso viel zu essen wie er. Aber die Kraft wirkte bei mir
nicht nach oben hinaus, sondern sie ging in die Breite und rundum im Kreise. Ich
wurde kugelrund, anstatt mir seine schlanke Höhe anzueignen. Er war gezwungen,
auf mich herabzuschauen, und das erweckte in ihm die Einbildung, dass er
überhaupt und in jeder Beziehung über mir erhaben sei. Meine Fülle imponierte
ihm nicht; ja, er belächelte sie sogar. Wie mich das betrübte! Ich musste ja
befürchten, dass er meiner mütterlichen Zuneigung gewiss noch ganz entwachsen
werde. Diese fast täglich zunehmende Körperlänge entfremdete ihn mir mehr und
mehr. Er wurde immer stolzer auf sie. Er sah gar nicht, wie sehr sie ihm
schadete. Ein Pferdejunge hat bei seiner bestimmten Größe zu bleiben. Er aber
schoss weit über die Achseln seiner Vorgesetzten empor. Das nahmen sie ihm übel.
Seine Hosen waren stets zu kurz; seine Ärmel getrauten sich nicht über die
Ellbogen hinaus. Das sah nicht schön, sondern hässlich aus, und darum wurde er
mehr und mehr zurückgesetzt, obwohl er der geschickteste und guterzigste von
allen war. Das ärgerte ihn. Er wurde grob, besonders mit mir. Sein Magen blieb
mir treu, aber sein Herz entfernte sich immer mehr von mir. So wären wir uns
