Er hat auf der braunen Stute des Ustad gesessen.«
    »Das ist ebenso unmöglich!«
    »Schau her! Hier an dieser Stelle sind die beiden Reiter von den Pferden
gestiegen. Der, welcher den Hengst ritt, hat die Spuren von ledernen Sohlen
hinterlassen. Der andere, welcher von der Stute sprang, ist barfuß gewesen. Nun
komm hierher, wo sie gesessen haben! Hier der barfüssige, und hier der andere.
Hast du vielleicht schon einmal einen Menschen so auffällig sitzen sehen, dass er
nur das eine Bein unterschlägt und auf das Knie desselben die Kniekehle des
andern Beines legt, dessen Ferse also jenseits den Boden berühren muss!«
    »Maschallah! So sitzt nur einer! Auch du hast ihn gesehen!«
    »Wer ist's?«
    »Der Fakir!«
    »Richtig! Diese seine Art zu sitzen oder vielmehr zu hocken ist mir sofort
aufgefallen, als er in eurem Lager sich bei uns niederließ. Der barfüssige Mann
hier hat ganz genau in derselben Weise gesessen.«
    »Kann es nicht einen zweiten geben, welcher auch diese Gewohnheit hat?«
    »Gut, nehmen wir diese Möglichkeit an! Aber hast du dir genau betrachtet,
wie der Fakir gekleidet war?«
    »In Fetzen!«
    »Wodurch wurden diese Fetzen zusammengehalten?«
    »Durch eine Schnur. Die Enden des Knotens hingen hinten herab.«
    »Hast du an diesen beiden Enden etwas bemerkt?«
    »Zwei Cypressenzapfen an jedem.«
    »So sieh hierher! Diese Zapfen haben, als er saß, den Sand hinter ihm
berührt. Er hat sich bewegt und mit sich diese Zapfen. Siehst du diese Striche?
Und da, wo sie stillgelegen haben, die runden Eindrücke in dem Mehle des feinen
Sandes?«
    Er richtete die Augen auf diese Zeichen und dann, groß und weit geöffnet,
auf mich.
    »Sihdi,« sagte er, »das ist nun freilich Spurenlesen! Es ist bewiesen, dass
es wirklich der Fakir war, der hier gesessen hat. Aber an das Pferd des Ustad
glaube ich noch nicht!«
    »Ich habe nur gesagt, was für ein Pferd es war. Mehr kann ich nicht wissen.
Den Ustad hast du selbst genannt. Ist er denn reich genug, der Besitzer eines
solchen Pferdes zu sein?«
    »Ja, man sagt, dass er die Macht über den ganzen Reichtum der Erde besitze.«
    »Man sagt so manches, was man eben bloß sagt. Heut hat für mich nur das
Geltung, was ich hier sehe. Wann denkst du, dass wir das Daraeh-y-Dschib
erreichen werden?«
    »Wir werden schon heut abend in seiner Nähe sein, obgleich wir einen
