 glühende Sonne die Erde und
dich mit ihr immer auf- und auf- und stetig aufwärts ziehe. Und wie du Himmel
und Erde nicht mehr zu trennen vermagst, so schaust du zu gleicher Zeit nach
außen und nach innen. Die Endlosigkeit vor deinem körperlichen Auge ist gleich
der unmessbaren Weite, welche vor deinem geistigen liegt. Dein Leib wird
fortgetragen, ohne dass du es fühlst, und deine Seele fliegt. Dein Leib? Du hast
keinen Leib mehr; du bist nur Seele, nichts als Seele. Der Leib ist in dieser
Grenzenlosigkeit immer leichter und leichter, immer nichtiger und nichtiger
geworden, bis er als ein Nichts in der Unendlichkeit dir aus den Gedanken
schwand. Aber dass deine Seele besteht, bestehen muss und auch fortbestehen wird,
das ist dir zu einer Klarheit geworden, gegen die kein Hauch des Zweifels
möglich ist. Du selbst bist ja diese Seele und kannst kein Ende nehmen, wie es
hier überhaupt kein Ende gibt! Der Zweifel kann nur auf der Erde wohnen, und du
befindest dich ja nicht mehr auf ihr. Du bist jetzt überirdisch und atmest im
seligen Reiche der Zuversicht zu dem, der da ist das ewige Leben und dessen
Eigentum du bist. Du fühlst es, und du weißt es, dass es von jetzt an keine Macht
mehr gibt, der es gelingen kann, dich in der Überzeugung deiner
Unsterblichkeit irre zu machen.
    Da hörst du Worte; sie klingen wie aus weiter, weiter Ferne zu dir, aber sie
rufen dich doch zur Erde zurück. Du bist nicht mehr jenseits, sondern diesseits
unserer Grenzen und siehst, dass der Schech el Dschemali78 es ist, der gesprochen
hat. Er deutet vorwärts, und indem du diesem Fingerzeige mit dem Auge folgst,
bemerkst du eine Karawane, welche weit draußen in der Wüste vorüberzieht. Ihr
Führer trennt sich von ihr und der eurige von euch. Beide reiten einander
entgegen, um Frage und Antwort auszutauschen, während beide Karawanen ihres
Weges weiterziehen. Du staunst über den Anblick dieser fremden Wanderer; du
fragst dich, ob das die Wirklichkeit oder eine Phantasmagorie sei. Die Gestalten
sind von zwei horizontalen Linien durchschnitten, zwischen denen sich nichts
befindet; unter ihnen siehst du die langen, weiterschreitenden Beine und die
halben Leiber der Kamele, während über ihnen die oberen Leibeshälften mit den
Reitern in der Luft zu schweben scheinen; der eine Teil des Bildes ist
senkrecht; der andere schräg. Die Ursache davon hast du in den von der Erde
zurückgeworfenen Sonnenstrahlen zu suchen; das sagt dir das eigentümliche
Zittern der zerschnittenen Gestalten. Wer sind sie? Wo kommen sie her, wo gehen
sie hin? Der Schech el Dschemali wird es erfahren und euch sagen. Aber wer sie
auch sein mögen,
