 Gelehrter es leichter begreifen würde
als ein Ungelehrter.«
    »Nein. Du würdest es für eine Krankheit halten, während es doch grad ein
Beweis der höchsten geistigen Gesundheit ist. Ich bitte dich, nicht in mich zu
dringen, und mich jetzt wieder mit El Ghani zu vereinigen!«
    »Die Erfüllung dieses Wunsches ist leider jetzt nicht möglich. El Ghani ist
fort.«
    »Fort? Wohin?«
    »Nach Mekka.«
    »Ohne mich?!«
    »Ja. Er hielt dich für tot und hatte dich schon eingescharrt. Als er mit
seinen Leuten fortgeritten war, nahm ich dich aus dem Grabe und fand, dass du
noch lebtest.«
    »Tot? Begraben schon?« fragte er entsetzt. »Allah sei mir gnädig! El Ghani
weiß doch, dass ich stets sehr bald wieder zu mir zurückkehre!«
    Mit diesen Worten hatte er mir sein Geheimnis schon halb verraten, ohne es
in seiner Aufregung zu bemerken; die andere Hälfte dachte ich mir hinzu. Darum
fragte, wie man sich auszudrücken pflegt, ich ihn grad auf den Kopf:
    »Wie lange pflegtest du in solchen Fällen gewöhnlich nicht bei dir zu sein?«
    »Nur einige Stunden,« antwortete er prompt.
    »Du wusstest dann, wo du gewesen warst?«
    »Ja, ganz genau.«
    »Und dieses Mal hat es länger als zwei volle Tage gedauert. Es handelte sich
auch nicht bloß um den bei dir üblichen Zustand, sondern du warst scheintot. Die
Anstrengungen des langen Rittes und die Entbehrung des Wassers, der Einfluss
deiner Nervenkrankheit, die ich allerdings nicht wie du als den Beweis der
höchsten geistigen Gesundheit bezeichne, und dazu der Umstand, dass du ein
außerordentlich starker, mit Tabak durch und durch vergifteter Raucher zu sein
und darum sehr wenig zu essen scheinst, kurz, diese und vielleicht auch noch
andere Gründe, welche ich nicht kenne, haben zusammengewirkt, den Zustand
herbeizuführen, den wir als scheintot bezeichnen.«
    »Scheintot!« sagte er. »Zwei volle Tage habe ich gelegen! Solltest du recht
haben. Es wäre entsetzlich gewesen, wenn ich begraben worden wäre, ohne wirklich
tot zu sein! Scheintot! Es gibt ja überhaupt keinen wirklichen Tod, denn das,
was ihr so nennt, das ist eben nichts anderes als scheinbarer Tod. Es ist das
Ablegen des irdischen Kleides, welches wir unter dem Namen Körper hier getragen
haben, aber niemals wieder tragen werden. Dieser Körper bleibt zurück, um sich
in seine Grundbestandteile wieder aufzulösen, die Seele aber, die in ihn
gekleidet war, wird auf ewig frei von ihm, der sie beengte.«
    Diese Weise, sich auszudrücken, machte mich stutzig. Er sprach
