 Beleidigungen habe ich behalten, ich nehme sie
mit mir, aber sobald ihr nach Mekka kommt, rechne ich dort mit euch ab. Es
bleibt euch keines eurer Worte geschenkt. Allah verfluche euch!«
    Da sprang Halef auf, riss die Peitsche empor, sprang dem Mekkaner nach und
langte ihm zwei oder drei so kräftige Hiebe zu, dass der Getroffene vor Schmerz
brüllte. Er hatte bei der außerordentlichen Behendigkeit des Hadschi keine Zeit
gefunden, sich schnell genug davonzumachen. Dieser rief ihm noch nach:
    »Hund, Hundsgrossvater und Urhundsenkel! Da hast du einen Teil der Abrechnung
schon heute mit! Den Rest werde ich dir in Mekka ehrlich zahlen! Mach dich
gefasst! Was ich verspreche, halte ich gewiss!«
    Es klangen noch einige Flüche zu uns her; dann war der »Liebling des
Grossscherif« mit seinen Leuten verschwunden.
    Die Haddedihn tauschten sehr lebhaft ihre Meinung über unsere Begegnung mit
den Mekkanern aus. Halef beteiligte sich natürlich sehr daran; ich war still.
Als ihm das nach längerer Zeit auffiel, fragte er mich nach dem Grunde meines
Schweigens. Ich musste die Antwort für später aufheben; mein Schweigen sollte
eine Strafe für ihn sein; ich wusste, wie empfindlich er dafür war. In Gegenwart
seiner Frau und seines Sohnes konnte ich ihm doch nicht sagen, dass er zwei
unverzeihliche Fehler begangen hatte. Er hätte den Mekkanern unsere Namen nicht
sagen und dann zuletzt El Ghani nicht schlagen dürfen, denn wenn dieser wirklich
ein angesehener Bürger der heiligen Stadt war und gar in persönlicher Beziehung
zu dem Grossscherif stand, so konnte er uns nicht nur bedeutende Ungelegenheiten,
sondern noch viel mehr bereiten, zumal ich ja nicht Muhammedaner und darum auf
die größte Vorsicht angewiesen war.
    In Beziehung auf den wiederholt genannten Scherif von Mekka bemerke ich, dass
das Wort Scherif so viel wie edel, adelig, erhaben bedeutet. Unter einem
Scherife versteht man einen direkten Abkömmling Muhammeds durch dessen Tochter
Fatima, welche die Frau Alis war. Den Scherifs steht es allein zu, einen grünen
Turban und ein grünes Oberkleid zu tragen. Die kleinste Beleidigung eines
solchen Edlen wird sehr streng geahndet. Die Sherifwürde überträgt sich sowohl
durch männliche wie auch weibliche Personen. Man hat, besonders in Persien,
mehrere Zweige der Eschraf43, so die Aliiden, Fatimiden, Dschafariden, doch
gibt es auch Familien, welche sich als scherif bezeichnen, es aber nicht sind.
Dies ist der Fall, obwohl in fast jeder mohammedanischen Stadt von besonderen
Beamten, welche Nakyb el Eschraf heißen, Listen über die zu diesem Titel
berechtigten Familien und Personen geführt werden, welche alljährlich mit der
großen Pilgerkarawane nach Mekka gebracht und dem dortigen Grossscherif zur
Ansicht und Bestätigung vorgelegt werden. Er ist der Stammfürst sämtlicher
Nachkommen des Propheten,
