 Gegner ausweichen will; denn nach dieser Seite
hat man den zweiten Wurf zu richten.«
    »Ich danke dir, Sihdi! Das ist eine Lehre, die ich in Übung nehmen werde!
Ich wollte, das Los drückte mir die Speere in die Hände; ich würde es genau so
machen, wie du uns jetzt geraten hast! Und wie würdest du dich bei dem
Ringkampfe verhalten?«
    »Das käme auf den Gegner und auf die Art und Weise an, in der er vorgenommen
werden soll, und da ich beides nicht kenne, ist es mir als unmöglich, einen Plan
zu haben. Es gibt Ringkämpfe verschiedenster Art. Es handelt sich hier
jedenfalls um den bei den Beduinen der arabischen Wüste ganz gewöhnlichen, dass
man den Gegner ohne Befolgung irgend einer Vorschrift so niederzubringen sucht,
dass der Besiegte den Boden mit dem ganzen Körper, also nicht nur mit einem
Teile, nur Händen und Knien, berührt.«
    »Da wollte ich, dass dies mir zufiele!« wünschte Omar Ben Sadek. »Mir sollte
der stärkste Ben Khalid gar nicht lange aufrecht stehen bleiben!«
    Omar war, wenn man ihn so wie jetzt stehen sah, scheinbar allerdings nicht
geeignet, einem Gegner große Besorgnis einzuflößen; er besaß weder eine hohe,
noch eine ungewöhnlich breite Gestalt; aber wer ihn unbekleidet gesehen hatte
und vielleicht gar wusste, wie oft schon er seinen Mann gestellt hatte, der
traute ihm gewiss mehr zu, als ihm anzusehen war. Grad im Ringen schienen seine
Muskeln von Eisen und seine Sehnen und Nerven von Stahl zu sein. Wenn er sich
mit auseinandergespreizten Beinen hinstellte, die Fäuste ballte und die Ellbogen
fest an den Körper legte, hatten mehrere Männer sich anzustrengen, wenn sie ihn
von der Stelle, auf welcher er stand, fortbringen wollten. Seine Beine glichen
dann Säulen, die nicht ins Wanken zu bringen sind. Und diese Zähigkeit besaß,
ich möchte sagen, jedes einzelne Glied von ihm nicht nur im Zusammenwirken,
sondern auch für sich besonders.
    »Ja, um dich hätte ich da keine Sorge,« stimmte Halef bei. »Dich bringt
keiner nieder. Und deinen Griff zum langsamen Hinlegen dessen, den du gepackt
hast, macht dir sogar keiner von unseren Haddedihn nach!«
    »Das ist nicht mein Griff, denn ich habe ihn ja von unserm Effendi gelernt.
Er ist sehr leicht; aber die Finger, die dürfen freilich, wenn sie sich einmal
eingebohrt haben, keinen Augenblick nachgeben; das ist die ganze Kunst. Wenn
dieses Los mir zufiele, könntet ihr unbesorgt um unsere Ehre sein. Aber, Sihdi,
wie hältst du es damit, dass der Kampf auf Tod oder Leben gehen soll? Die Beni
Khalid werden uns
