 mir zu sagen, welches Quantum du für jeden einzelnen
bestimmst.«
    »Einzeln? Hm! Am liebsten wäre es mir, wenn jeder einzelne die ganze Summe
bekäme, weil da jeder das, was er zu viel erhalten hat, den andern zurückgeben
könnte, was eine unaufhörliche Bastonnade zur Folge hätte. Die Bestimmung,
welche du von mir verlangst, ist schwer zu treffen. Möglichst viel; aber Keiner
darf daran sterben! Ich schlage also zunächst eine Probebastonnade vor, durch
welche wir erfahren, wieviel Hiebe jeder von ihnen aushalten kann. Wenn wir das
dann wissen, ist die Zahl der Schläge leichter zu bestimmen.«
    »Das ist wohl wahr,« lächelte der Perser. »Leider aber würde dieser Versuch
uns um die eigentliche Vollstreckung bringen, weil wir zu lange auf die Heilung
der Sohle warten müssten, und dazu haben wir ja keine Zeit!«
    »So nehmen wir die Probe gleich als Vollziehung und beschäftigen uns mit
jedem Paar der Sohlen so lange mit hingebender Aufmerksamkeit, bis wir sehen,
dass seine Zufriedenheit den höchsten Grad erreicht hat.«
    »Das ist das einzig Richtige; ich stimme bei!«
    »Ich natürlich auch, da es doch mein eigener Vorschlag ist! Und du, Sihdi?
Was sagst du dazu?«
    »Ich gebe auch meine Einwilligung,« antwortete ich, da dieses Urteil mir ein
Einschreiten immer offen ließ.
    »Ich danke dir!« nickte mir der Hadschi freundlich zu. »Schon dachte ich, du
würdest in deiner bekannten, nur allzu oft geübten Milde deine Stimme gegen
diesen unsern ebenso gerechten wie weisen Beschluss erheben. Wir sind also einig,
und nun fragt es sich nur noch, wann die Bestrafung vorgenommen werden soll. Ich
stimme für jetzt gleich.«
    »Ich auch,« erklärte der Basch Nazyr.
    »Ich nicht,« sagte ich.
    »Warum nicht?« fragte Halef.
    »Weil jetzt der nötige Effekt fehlen würde. Ein Exempel muss am hellen Tage
und vor den Augen sämtlicher Krieger der Beni Khalid statuiert werden.«
    »Das ist richtig, ganz richtig, außerordentlich richtig!« belobte mich der
Hadschi, ohne sich zu sagen, dass mich ein heimlicher Grund zu diesem Vorschlage
veranlasst haben könne. »Jetzt bist du so, genau so, wie ich mir meinen Effendi
immer wünsche! Du bist zu meinem größten Leidwesen so oft der Meinung gewesen,
dass man das Ebenbild Gottes nicht durch Prügel schänden und beleidigen dürfe;
ich aber sage dir, dass für einen Menschen, der sich dieses Ebenbildes entäussert
hat, grad nur die Prügel die allein richtige Bestrafung bilden. Der Verbrecher
ist und bleibt im allgemeinen ein Mensch, und so soll die Strafe menschlich
sein; aber
