 geringste Recht dazu, eine gültige Entscheidung zu treffen.«
    »Meinst du damit mich?«
    »Ja. Ich sagte dir heut schon einmal, dass nicht ihr hier die Herren seiet.
Als ich dies sagte, waren deine Beni Khalid zugegen; jetzt aber sind sie fort,
und der Bir Hilu befindet sich im Besitze der Haddedihn, welche also jetzt hier
zu befehlen haben. Aus diesem Grunde liegt der Fall, den wir verhandeln, nicht
so, wie du gesagt hast, sondern so, wie ich dir jetzt sagen werde: Nämlich der
Basch Nazyr behauptet, die Sachen seien in Meschhed Ali gestohlen worden, und El
Ghani behauptet, dieser habe ihm das Verzeichnis entwendet, um dadurch in den
Besitz der Gegenstände zu kommen. Beide befinden sich hier im Bereiche der
Haddedihn, welche also über diesen Fall zu entscheiden haben. Hadschi Halef
Omar, der Scheik dieses Stammes, hat folglich die Pflicht, auf alles, was sich
in dem Teppich befindet, Beschlag zu legen, bis das Urteil gesprochen worden
ist. Das ist die richtige Ansicht über diese Angelegenheit, und sie gilt; die
deinige aber ist falsch und gilt also nicht.«
    Er hatte wohl einen Widerspruch erwartet, aber einen so klaren und
bestimmten nicht. Er musste sich sagen, dass er gegen diese meine Worte unmöglich
etwas Kluges und Überzeugendes vorbringen könne, und darum an die wenigstens
jetzt einzige Art und Weise denken, uns das Objekt des Streites zu entziehen.
Dass er dies tat, sah ich ihm an: Er warf einen langen, lauernden Blick in mein
Gesicht und zog den Fuß zum schnellen Sprunge an den Leib. Zugleich bemerkte
ich, dass ich nicht der einzige war, der dies beobachtete. Kara, der Sohn unsers
Halef, stand von seinem Platze auf und tat so, als ob er bei einem
naheliegenden Kamele etwas zu tun habe. dabei ging ein bezeichnendes, listiges
Lächeln über sein hübsches, jugendliches Gesicht. Grad dieser seiner Jugend
wegen wurde er von dem Scheik der Beni Khalid für ungefährlich gehalten. Dieser
tat einen raschen Griff nach dem Pakete und sprang auf, um fortzueilen und im
Dunkel der Nacht zu verschwinden. Da aber holte Kara aus, machte einen weiten
Satz durch die Luft und sprang ihn von hinten in der Weise an, dass der Fliehende
nach vorn in den Sand stürzte. Er wollte sofort wieder auf, konnte aber nicht,
denn Kara lag auf ihm und hielt mit beiden Händen seinen Hals fest umklammert.
Ganz selbstverständlich warfen sich nun mehrere Haddedihn auf Tawil und sorgten
dafür, dass er an Händen und Füßen so gebunden wurde, dass er sie nicht bewegen
konnte.
    Halef war auch aufgesprungen, um den blitzschnellen Vorgang zu beobachten.
Sein Gesicht strahlte vor
