 von ihm gemacht
worden war, im höchsten Grade lächerlich vor. Der Boden war nämlich so
zerstampft, dass man hätte gradezu blind sein müssen, um nicht zu sehen, dass eine
ungewöhnlich große Reiterschar sich hier befunden habe. Freilich, die einzelnen
Fährten auseinander zu halten, das war selbst für meine geübten Augen eine
absolute Unmöglichkeit.
    Der Fährtenleser sucht beim Vorhandensein so massenhafter Fuß- und
Hufeindrücke ganz unwillkürlich nach einer Einzelspur, oft ohne eine andere
Absicht dabei zu haben, als die, den eigenen Blick zu prüfen. So tat ich auch
hier. Es war aber keine einzige herauszubringen - - - und doch, grad da beim
Vorderfusse meines Pferdes lag ein höchstens zwei Hände großes Steinstück,
welches, sobald ich es erblickte, meine Aufmerksamkeit auf sich zog, weil die
eine, glatte Seite desselben ein ganz sauberes, neues Aussehen hatte, während
die andern Seiten schmutzig und verwittert waren. Ganz gewiss war dieses Stück
erst vor kurzer Zeit von dem neben uns aufsteigenden Felsen abgebrochen worden
und heruntergefallen. Höchst wahrscheinlich war das ein für uns ganz
gleichgültiger Vorgang gewesen; ich sah aber doch nach oben und gewahrte da auch
die Stelle, an welche die Bruchfläche des Steines ganz genau passte. Damit hätte
ich mich wohl zufrieden gegeben, aber ich sah noch mehr. Nicht weit von der
erwähnten Stelle gab es nämlich eine mit Sand gefüllte Ritze und in diesem Sande
vier senkrechte, halb wieder zugekörnelte Striche. Da hatte jemand sich
festhalten wollen, war aber ab- und mit den vier Handfingern durch den Sand
geglitten. Was hatte der Betreffende da oben gewollt?
    Das war eigentlich eine ganz nichtige Frage; aber gewohnt, selbst auf
Kleinigkeiten und scheinbar bedeutungslose Dinge stets auch zu achten, forderte
ich Kara Ben Halef auf, einmal vom Pferde zu steigen und da hinaufzuklettern.
Ich hätte das wohl selbst getan, wollte aber meinem Schützlinge Gelegenheit
geben, seinen Scharfsinn zu zeigen. Der Beduine klettert nicht gern; wenn er es
doch einmal tut, so muss immerhin eine nicht ganz gewöhnliche Ursache dazu
vorhanden sein. Und grad hier an dieser Stelle war es gar nicht bequem gewesen,
hinaufzukommen. Hatte etwa einer der Beni Khalid da oben etwas versteckt? Ah, es
waren sogar zwei gewesen, denn jetzt, da ich nun genauer hinschaute, sah ich
ganz unten und hart am Felsen die tiefen Eindrücke zweier Fußspitzen, aus denen
ich schloss, dass der eine hier gestanden und sich angestrengt hatte, den andern
emporzuschieben. Dieser andere musste entweder unbehilflich oder alt gewesen
sein, sonst hätte er dieser Hilfe nicht bedurft. Ich weiß nicht, warum und wie
es kam, aber ich musste dabei an El Ghani denken, hielt dies jedoch für sehr
erklärlich, weil ich mich in der letzten Zeit
