 Osman
geschenkt.
    Safur wollte ja die Tarub schon immer so gern geschenkt haben.
    Jetzt hatte er sie - und er war ihr Herr - und sie war seine Sklavin.
    Die Sache hatte natürlich manchen Haken.
    Der Dichter konnte sich nicht gleich in seine neue Lage finden.
    Es hatte sich in Bagdad doch recht viel verändert.
    Es war so, als wenn überall was zerrissen wäre - überall so was Zerrissenes!
    Die Fäden, mit denen die Menschen aneinander gebunden sind, sind viel
dünner, als man gemeinhin denkt - zerreißen so leicht und sind so schwer wieder
zusammenzuknüpfen.
    Es ist daher auch garnicht verwunderlich, dass - als sich bei Osman der
Kodama, der Safur und der Hamadany wieder mal nach fast zwei Jahren »guten Tag«
sagen - die Einigkeit dieser vier lauteren Brüder eine bemerkenswerte Störung
schon in der ersten Stunde des neuen Zusammenseins erleidet.
    Safur spricht von Ägypten - vom Lande der Pyramiden - vom Lande der Sphinx.
    Und er spricht auch von dem, was die ägyptischen Heiden von der Weltseele
lehren.
    Er teilt dem Osman die Namen von mehreren ägyptischen Gelehrten mit, die
größere philosophische Werke geschrieben haben.
    Osman ist darüber sehr erfreut und schreibt sich die Namen sorgfältig auf;
er will sich sofort mit den Ägyptern in Verbindung setzen.
    Osman kann garnicht genug Bücher herausgeben.
    Safur aber spricht weiter von der Weltseele - von der Viereinigkeit und von
der Dreieinigkeit - von Raum und Zeit - von Geist und Stoff - von Plato - und
von Pythagoras - von der Zahlenmystik - und vom Überirdischen.
    Hamadany und Kodama hören eifrig zu.
    Indessen - sie können bald nicht mehr dem Dichter folgen - von der Weltseele
verstehen sie sowieso nichts.
    Es ist daher ganz erklärlich, dass sie bald dem begeisterten Safur erklären,
er würde unklar.
    Der Dichter, der von Dingen sprach, die er selbst nicht mal ordentlich
begriffen hatte, ist natürlich höchst empört, dass man ihm Unklarheit vorwirft -
er ist wütend.
    Er merkt jedoch noch rechtzeitig, dass der Vorwurf seiner Freunde nicht ganz
ungerechtfertigt genannt werden könne - und legt demnach sehr geschickt
folgendermaßen los:
    »Freilich! Klar soll ich sein! Natürlich! Die Dinge, von denen ich rede,
sind ja auch so einfach und klar, dass es gar keine Mühe macht - klar - klar über
diese Dinge zu reden! Freilich! Natürlich! Ein Hammelbraten ist immer was Klares
für Euch - die Weltseele und der viereinige Gott muss deshalb auch klar für Euch
werden.
    Bei Allah, merkt Ihr denn nicht - wisst Ihr denn nicht, dass die Leute, die
immer nur das Nächstliegende - das Erreichbare - im Auge haben, ohne große
Umstände klar sein können? - dass diese einfachen Leute, diese bäurischen Tölpel,
sich
