 daran.
    Stilpes koloristischer Blick hatte sofort bemerkt, dass diese Farbe zu seinen
glänzend schwarzen Haaren eminent (das Wort liebte er jetzt) stehen müsse, und
es lag überhaupt etwas Schmetterndes, Verwegenes in ihr, etwas, das zu seiner
augenblicklichen Stimmung genau passte.
    - Bitte, was kostet diese Handelsstadt? Nur keine Bange! Nur den Preis
genannt! Ich zahle ohne Feilschen.
    Ein Triumphatoren-, ein Sankt Georgsgefühl! Hinter ihm, ein widerlich
geschwollenes Grau, lag der überwundene Drache Gymnasium, vor ihm breiteten
tausend junge schöne Mädchen glänzende Teppiche aus, weit ins Land hinein, wo
rechts und links die angenehmsten Dinge als rotgoldene Ähren auf gelbgoldenen
Halmen schaukelten.
    Blos mitnehmen! Blos einscheuern! Sklaven wimmeln ringsum und schielen aus
tiefer Verbeugung nach Seiner Herrlichkeit gelassenen Winken...
    Und diese vielen Restaurants! Und keins verboten! Kühn darf man mitten in
Damenbedienung sitzen und das Taschentuch behaglicher Paschahwünsche werfen.
    In dieser Stimmung hatte er sich ohne viel Besinnen die kanariengelbe Mütze
aufgesetzt. Und nun saß sie fest und sah gut aus.
    Nachdem er sich für sie einmal entschieden hatte, erbaute er sich aber auch
ein System von Gründen dafür, dass er just in eine simple Verbindung, nicht in
ein Korps, nicht in eine Burschenschaft, nicht in eine Landsmannschaft
eingetreten war:
    Das Korps: Rückständige Institution aus unfreien Zeiten, daher
Fuchsensklaverei, Burschentyrannis, starrer Formelnkram; die Burschenschaft:
Entweder rückständige Romantik, Tugendbund und Keuschheit bis zum Ehebette oder
Form ohne Inhalt; die Landsmannschaft: Traditionslose Neugründung, bemäntelt mit
einem alten Namen, ohne Wurzeln im Alten, ohne Greifranken ins Neue: Zwitter.
Die bloße Verbindung dagegen, nun ja: Das war eben eine Sache für sich, etwas
mehr Improvisiertes, das daher auch nicht so umklammerte und absorbierte.
Zweifellos bot sich hier auch die leichtere Möglichkeit, eine beeinflussende
Stellung zu erhalten. Und das ist doch wohl das Wichtigste!
    So verteidigte sich Stilpe vor sich selber. Erst hinterher kam ihm der
Gedanke: Aber warum denn überhaupt eine farbige Mütze? Das war ja doch wohl
eigentlich eine Kinderei, - wie? Ein Atavismus? Ein testimonium paupertatis
animi? Hatte er nicht das Wort geschliffen: Ein freier Kopf braucht keine bunte
Mütze?
    Gewiss, gewiss! Aber: Si duo faciunt idem, non est idem! (Seitdem er nicht
mehr Latein treiben musste, zitierte er viel Lateinisches.) Für jene anderen ist
die Mütze eine gewisse Notwendigkeit und ein Ziel; für ihn aber nichts als ein
in souveräner Laune frei gewähltes Mittel.
    Mittel, - wozu?
    Erstens zur Erzielung gewisser landsknechtafter Empfindungen! Denn es
steckt Historie in dieser Institution des wehrhaften deutschen Rauf- und
Sauf-Studenten und ein rechter Kerl zeigt seine Rasse; und
