 mir einmal der Teufel wohl,
Soll er mich alkoholen.
                        Aus Stilpes zerstreuten Versen.
 
                                 Erstes Kapitel
Wenn ein neues Semester begonnen hat, pflegen die farbentragenden
Studentenkorporationen in Leipzig mit besonderem Eifer das zu kultivieren, was
sie den Grimmschen Bummel nennen. Es ist das eine Art stolz geschrittenen Korsos
auf der Grimmaischen Straße, wobei sich die zu einem größeren Gesammtverbande
gehörigen Verbindungen sehr feierlich nach der gerade im Schwange befindlichen
Mode begrüßen.
    Denn die Art, die Mütze abzunehmen, ist unter Kouleurstudenten gewissen
cyklischen Schwankungen unterworfen.
    Auch hier ist das Walten harmonischer Gesetze erkennbar. Alte Semester haben
darüber kulturhistorisch bedeutsame Aufzeichnungen gemacht, aber das Verdienst,
das Gesetz des Cyklus erkannt zu haben, gebührt der kleinen Anna, einem Mädchen
von sehr ausgedehnten Bekanntschaften in corpsstudentischen Kreisen.
    Wie die Muse der Geschichte hat sie die Semester an sich vorüber streifen
(ja, streifen) sehen und dabei dies beobachtet:
    Als Beginn eines Cyklus ist allemal die primitive Zeit zu betrachten, wo man
die Mütze ganz einfach vorn beim Schild ergreift und sie in leichtem Bogen
ziemlich senkrecht nach unten schwingt. Dann folgt:
    Die Periode des rechten Randgriffs, die in zwei Unterabteilungen zerfällt:
    a) man ergreift die Mütze am rechten Rande und führt sie mit gebogenem Arm
langsam nach vorn,
    b) man ergreift sie wie unter a, führt sie aber nicht nach vorn, sondern
stößt sie rechtsseitig steif nach oben.
    Sodann folgt die Periode des hinteren Randgriffs, bei der die Mütze also am
hinteren Rande ergriffen wird.
    Sie hat drei Unterabteilungen:
    a) weiter Bogen nach vorn,
    b) steifer Stoß nach oben,
    c) ganz kurze Lüpfung, wobei das Schild und der vordere Rand fest aufliegen
bleiben. Diese Phase, als gewöhnlich letzte des Cyklus, hat etwas marode
Decadentes.
    Zuweilen fügt sich als vierte Periode noch der vordere Randgriff an, der
sich als Pendant zu 3c kennzeichnet. Gewöhnlich indessen beginnt der Cyklus nach
der kurzen Lüpfung aufs Neue.
    Natürlich sind in diesem kurzen Abriss alle Nuancen, deren es sehr feine
gibt, beiseite gelassen worden.
Man befand sich wieder einmal in der Periode 3b, als das weiland Wurzener
Cénacle die Leipziger Universität bezog, und es gab keinen Fuchs, der die Mütze
so energisch nach oben stieß, wie der stud. phil. et jur. Willibald Stilpe oder,
wie er auf der Matrikel feierlich und lateinisch hieß: vir iuvenis dominus
Stilpe leissnigensis.
    Die Mütze, die er in dieser Weise handhabte, sah gelb aus, genauer gesagt:
Kanariengelb, und zeigte außerdem einen weißen und einen schwarzen Streifen.
    Stilpe war, uneingedenk des Schwurs an der Mulde, einer Verbindung
beigetreten, einer Verbindung schlechtin, die nicht Korps, nicht
Burschenschaft, nicht Landsmannschaft war.
    Das Kanariengelb war schuld
