 waren denn die Verfasser von damals?
Talleirand, den Sie schon genannt haben, und Wilhelm von Humboldt und Friedrich
Gentz und ihresgleichen. Ich glaube, dass das Metier seitdem sehr herabgestiegen
ist.«
    »Ja, herabgestiegen ist alles, und es steigt immer weiter nach unten. Das
ist, was man neue Zeit nennt, immer weiter runter. Und mein Pastor, den Sie ja
gestern abend kennengelernt haben, der behauptet sogar, das sei das Wahre, das
sei das, was man Kultur nenne, dass immer weiter nach unten gestiegen würde. Die
aristokratische Welt habe abgewirtschaftet, und nun komme die demokratische...«
    »Sonderbare Worte für einen Geistlichen«, sagte Rex, »für einen Mann, der
doch die durch Gott gegebenen Ordnungen kennen sollte.«
    Dubslav lachte. »Ja, das bestreitet er Ihnen. Und ich muss bekennen, es hat
manches für sich, trotzdem es mir nicht recht passt. Im übrigen, wir werden ihn,
ich meine den Pastor, ja wohl noch beim zweiten Frühstück sehen, wo Sie dann
Gelegenheit nehmen können, sich mit ihm persönlich darüber auseinanderzusetzen;
er liebt solche Gespräche, wie Sie wohl schon gemerkt haben, und hat eine kleine
Luterneigung, sich immer auf das jetzt übliche: Hier steh ich, ich kann nicht
anders auszuspielen. Mitunter sieht es wirklich so aus, als ob wieder eine
gewisse Märtyrerlust in die Menschen gefahren wäre, bloß ich trau dem Frieden
noch nicht so recht.«
    »Ich auch nicht«, bemerkte Rex, »meistens Renommisterei.«
    »Na, na«, sagte Czako. »Da hab ich doch noch diese letzten Tage von einem
armen russischen Lehrer gelesen, der unter die Soldaten gesteckt wurde (sie
haben da jetzt auch so was wie allgemeine Dienstpflicht), und dieser Mensch, der
Lehrer, hat sich geweigert, eine Flinte loszuschiessen, weil das bloß Vorschule
sei zu Mord und Totschlag, also ganz und gar gegen das fünfte Gebot. Und dieser
Mensch ist sehr gequält worden, und zuletzt ist er gestorben. Wollen Sie das
auch Renommisterei nennen?«
    »Gewiss will ich das.«
    »Herr von Rex«, sagte Dubslav, »sollten Sie dabei nicht zu weit gehen? Wenn
sich's ums Sterben handelt, da hört das Renommieren auf. Aber diese Sache, von
der ich übrigens auch gehört habe, hat einen ganz andern Schlüssel. Das liegt
nicht an der allgemein gewordenen Renommisterei, das liegt am Lehrertum. Alle
Lehrer sind nämlich verrückt. Ich habe hier auch einen, an dem ich meine Studien
gemacht habe; heißt Krippenstapel, was allein schon was sagen will. Er ist grad
um ein Jahr älter als ich, also runde
