, »an diesen Karpfen noch ganz besonders fesselt -
beiläufig ein Prachtexemplar -, das ist das, dass er doch höchstwahrscheinlich
aus Ihrem berühmten See stammt, über den ich durch Woldemar, Ihren Herrn Sohn,
bereits unterrichtet bin. Dieser merkwürdige See, dieser Stechlin! Und da frag
ich mich denn unwillkürlich (denn Karpfen werden alt; daher beispielsweise die
Mooskarpfen), welche Revolutionen sind an diesem hervorragenden Exemplar seiner
Gattung wohl schon vorübergegangen? Ich weiß nicht, ob ich ihn auf
hundertfünfzig Jahre taxieren darf, wenn aber, so würde er als Jüngling die
Lissaboner Aktion und als Urgreis den neuerlichen Ausbruch des Krakatowa
mitgemacht haben. Und all das erwogen, drängt sich mir die Frage auf ...«
    Dubslav lächelte zustimmend.
    »... Und all das erwogen, drängt sich mir die Frage auf, wenn's nun in Ihrem
Stechlinsee zu brodeln beginnt oder gar die große Trichterbildung anhebt, aus
der dann und wann, wenn ich recht gehört habe, der krähende Hahn aufsteigt, wie
verhält sich da der Stechlinkarpfen, dieser doch offenbar Nächstbeteiligte, bei
dem Anpochen derartiger Weltereignisse? Beneidet er den Hahn, dem es vergönnt
ist, in die Ruppiner Lande hineinzukrähen, oder ist er umgekehrt ein Feigling,
der sich in seinem Moorgrund verkriecht, also ein Bourgeois, der am andern
Morgen fragt: Schießen sie noch?«
    »Mein lieber Herr von Czako, die Beantwortung Ihrer Frage hat selbst für
einen Anwohner des Stechlin seine Schwierigkeiten. Ins Innere der Natur dringt
kein erschaffener Geist. Und zu dem innerlichsten und verschlossensten zählt der
Karpfen; er ist nämlich sehr dumm. Aber nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung
wird er sich beim Eintreten der großen Eruption wohl verkrochen haben. Wir
verkriechen uns nämlich alle. Heldentum ist Ausnahmezustand und meist Produkt
einer Zwangslage. Sie brauchen mir übrigens nicht zuzustimmen, denn Sie sind
noch im Dienst.«
    »Bitte, bitte«, sagte Czako.
Sehr, sehr anders ging das Gespräch an der entgegengesetzten Seite der Tafel.
Rex, der, wenn er dienstlich oder ausserdienstlich aufs Land kam, immer eine
Neigung spürte, sozialen Fragen nachzuhängen, und beispielsweise jedesmal mit
Vorliebe darauf aus war, an das Zahlenverhältnis der in und außer der Ehe
geborenen Kinder alle möglichen, teils dem Gemeinwohl, teils der Sittlichkeit
zugute kommende Betrachtungen zu knüpfen, hatte sich auch heute wieder in einem
mit Pastor Lorenzen angeknüpften Zwiegespräch seinem Lieblingstema zugewandt,
war aber, weil Dubslav durch eine Zwischenfrage den Faden abschnitt, in die Lage
gekommen, sich vorübergehend statt mit Lorenzen mit Katzler beschäftigen zu
müssen, von dem er zufällig in Erfahrung gebracht hatte, dass er früher Feldjäger
gewesen sei. Das gab ihm einen guten Gesprächsstoff und ließ ihn fragen, ob der
Herr Oberförster nicht mitunter schmerzlich
