 Fenster des Gebäudes bildeten die Ein- und
Ausfluglöcher für die Tauben. Ein Kranz von scharfen, eisernen Stacheln wehrte
dem Raubgetier den Zugang. In dem offenen Schuppen sah man Brettwagen,
Leiterwagen und andere Fuhrwerke stehen, die Deichseln nach dem Hofe gerichtet.
Unter dem vorspringenden Scheunendach waren die Leitern untergebracht. Im
Holzstall lag gespaltenes Holz für die Küche, Reisig zum Anfeuern und
Scheitolz. Das Kalkloch, der Sandhaufen und der Stein zum Dengeln der Sensen
fehlten nicht.
    Der Sinn für das Nützliche und Notwendige herrschte hier wie in jedem
rechten Bauernhofe vor. Aber auch der Gemütlichkeit und dem Behagen war Rechnung
getragen. Ein schmales Gärtchen, von einem Holzstaket eingehegt, lief um die
Süd- und Morgenseite des Wohnhauses. Hier zog die Bäuerin neben Gemüsen und
nützlichen Kräutern verschiedene Blumensorten, vor allem solche, die sich durch
starken Geruch und auffällige Farben auszeichneten. Und um die Pracht voll zu
machen, hatte man auf bunten Stäben leuchtende Glaskugeln angebracht. In der
Ecke des Gärtchens stand eine aus Brettern zusammengestellte Holzlaube, die sich
im Sommer mit bunt blühenden Bohnenranken bezog. Im Grasgarten standen
Obstbäume, von denen einzelne, ihrem Umfange nach zu schließen, an hundert Jahr
alt sein mochten.
    Die Tür des Wohnhauses war besonders schön hergestellt. Drei glatt behauene
steinerne Stufen führten hinauf. Die Pfosten und der Träger waren ebenfalls von
Granit. Auf einer Platte, die über der Tür angebracht war, stand folgender
Spruch eingegraben:
»Wir bauen alle feste,
und sind doch fremde Gäste,
und wo wir sollen ewig sein,
da bauen wir gar wenig ein!«
    Gustav und der Bauer schritten vom Hause, ohne dass einer dem anderen ein
Wort gesagt oder einen Wink gegeben hätte, geraden Weges nach dem Pferdestalle;
denn hier war der Gegenstand des allgemeinen Interesses untergebracht: eine
zweijährige braune Stute, die der Bauer vor kurzem gekauft hatte. Zum dritten
oder vierten Male schon besuchte der Unteroffizier, der erst am Abend vorher in
der Heimat eingetroffen war, das neue Pferd. Er hatte sich die Stute auch schon
ins Freie hinausführen lassen, um ihre Gänge zu beobachten; aber ein Urteil über
das Pferd hatte er noch immer nicht abgegeben, obgleich er ganz genau wusste, dass
der Alte darauf wartete. Gustav sagte auch jetzt noch nichts, obgleich er
prüfend mit der Hand über die Sehnen und Flechsen aller vier Beine gefahren war.
    Die Büttners waren darin eigentümliche Käuze. Nichts wurde ihnen schwerer,
als sich gegen ihresgleichen offen auszusprechen. Oft wurden so die wichtigsten
Dinge wochenlang schweigend herumgetragen. Jeder empfand das als eine Last, aber
der Mund blieb versiegelt, bis endlich die eherne Notwendigkeit oder irgend ein
Zufall die Zungen löste. - Es war fast, als schämten sich die
Familienmitglieder, untereinander Dinge
