 Wenn ich höre, dass der Krieg angetragen wird, um drohenden Gefahren
vorzubeugen, so muss ich immer an Gribouille denken. Wohl hätte ein ganzer
Hohenzollernstamm sich auf Karls V. und noch auf verschiedene andere Throne
setzen können, ohne Frankreichs Interessen und Frankreichs Ehre nur den
tausendsten Teil von dem Schaden zuzufügen, der ihnen aus dem klugen »Das können
wir nicht dulden erwachsen ist.«
    »Dieser Fall,« fuhr der Redner fort, »wir hegen die feste Zuversicht, wird
    nicht eintreten. Wir rechnen in dieser Beziehung auf die Weisheit des
    deutschen und auf die Freundschaft des spanischen Volkes. Sollte es anders
    kommen - dann, meine Herren, werden wir wissen, stark durch Ihre
    Unterstützung und die der Nation, unsere Pflicht ohne Schwanken und ohne
    Schwäche zu tun. (Stürmisches Bravo.)
Von da ab beginnt die Kriegshetze in der Presse. Besonders ist es Girardin,
welcher seine Landsleute nicht genug anfeuern kann, die unerhörte Kühnheit,
welche in dieser Tronkandidatur liege, gehörig zu züchtigen. Es wäre gegen alle
Würde Frankreichs, wenn es da nicht sein Veto einlegte ... freilich, Preußen
wird nicht nachgeben, denn es ist ihm daran gelegen, dem Wahnsinnigen, den Krieg
heraufzubeschwören. Durch seine Erfolge von 1866 berauscht, glaubt es, jetzt
auch über den Rhein seine Sieges- und Raubeszüge machen zu dürfen - aber da sind
wir da, Gott sei Dank, solche Gelüste den übermütigen Spitzhelmen zu vertreiben
... In diesem Tone geht es fort. Napoleon III. zwar, wie wir durch ihm
nahestehende Personen erfahren, wünscht nach wie vor die Erhaltung des Friedens;
aber in seiner Umgebung finden die Meisten, dass ein Krieg jetzt unvermeidlich
sei, dass - da man im Volke ohnehin mit der Regierung unzufrieden - das Beste,
was man tun könne, um sich den Respekt des ruhmsüchtigen Landes zu sichern, ein
glücklicher Krieg wäre: »il faut faire grand«.
    Nun wird in der Runde bei anderen europäischen Kabinetten über die
Angelegenheit angefragt. Jedes erklärt, dass es den Frieden wünsche. In
Deutschland wird ein aus Volkskreisen stammendes Manifest veröffentlicht,
welches unter Anderen auch von Liebknecht unterzeichnet ist, worin es heißt:
»der bloße Gedanke an einen deutsch-französischen Krieg sei ein Verbrechen.« Bei
dieser Gelegenheit erfahre ich und kann es in mein Friedensprotokoll eintragen:
»dass eine große Verbindung mit hunderttausenden von Mitgliedern existiert,
welche die Abschaffung aller Vorurteile des Standes und der Nation zum
Programmpunkt erhoben hat.«
    Benedetti erhält die Mission, den König von Preußen aufzufordern, dass dieser
dem Prinzen Leopold die Annahme der Krone verbiete. König Wilhelm befand sich
augenblicklich zur Kur in Ems - Benedetti begibt sich dahin und erhält am 9.
Juli eine Audienz.
