 auch unser vorjähriger maître d'hotel. Als wir, um zu
unserer Wohnung zu gelangen, über die elysäischen Felder fuhren - es war eben
die Bois-Stunde - da begegneten wir mehreren unserer alten Bekannten und
tauschten fröhliche Wiedersehensgrüsse. Die vielen kleinen Veilchenkarren, welche
um diese Jahreszeit in den Straßen von Paris herumgerollt werden, füllten die
Luft mit tausend Frühlingsversprechungen; die Sonnenstrahlen funkelten und
spielten regenbogenfarbig in den Springbrunnen des Rundplatzes und hefteten
kleine Fünkchen an die Wagenlaternen und das Pferdegeschirr der zahlreichen
Gefährte. Unter Anderen fuhr auch die schöne Kaiserin in einem à la Daumont
bespannten Wagen an uns vorbei und winkte, mich erkennend, einen Gruß mit der
Hand.
    Es gibt so einzelne Bilder und Szenen, die sich in das Gedächtnis
einphotographieren und -phonographieren, samt den sie begleitenden Empfindungen
und einigen gleichzeitig gesprochenen Worten. »Schön ist doch dieses Paris!«
rief damals Friedrich aus, - und meine Empfindung war ein kindisches
»Sichfreuen« auf den kommenden Aufenthalt. Hätte ich gewusst, was mir, was dieser
ganzen, in Glanz und Heiterkeit getauchten Stadt bevorstand - - -
    Diesmal vermieden wir es, uns, wie im verflossenen Jahre, in den Strudel
weltlicher Vergnügungen zu werfen. Wir erklärten, keine Balleinladungen annehmen
zu wollen und hielten uns von den großen Empfängen fern. Auch das Theater
besuchten wir nicht mehr so häufig - nur wenn irgend ein Stück besonderes
Aufsehen machte - und so kam es, dass wir die meisten Abende allein oder in
Gesellschaft weniger Freunde, in unserem Heim verbrachten.
    Was unsere Pläne in Bezug auf des Kaisers Abrüstungsidee betraf, so kamen
wir eigentlich schlecht damit an. Napoleon III. hatte zwar seine Idee nicht ganz
aufgegeben, aber der jetzige Moment - hieß es - sei zu deren Ausführung durchaus
ungeeignet. In der Umgegend des Trones war man sich bewusst, dass dieser Thron
nicht auf gar festen Füßen stand; eine große Unzufriedenheit kochte und gährte
im Volk, und um diese niederzuhalten, wurden alle Polizei- und Censurmassregeln
verschärft - was nur um so größere Unzufriedenheit zur Folge hatte. Das einzige,
so sagten gewisse Leute, was der Dynastie neuen Glanz und Bestand geben könnte,
wäre ein glücklicher Feldzug ... Dazu lag freilich keine nahe Aussicht vor, aber
von Abrüstung sprechen, wäre ganz und gar gefehlt; dadurch würde ja der ganze
Nimbus der Bonaparte zerstört, welcher ja auf dem Ruhmeserbe des großen Napoleon
beruhte. Außerdem war uns auch auf unsere Anfragen aus Preußen und Österreich
kein ermunternder Bescheid geworden. Man war da in die Ära der Vergrößerung der
Wehrmacht (das Wort: »Armee« begann aus der Mode zu kommen) getreten und da
fiele das Wort Abrüstung als grober Misston hinein. Im Gegenteil, um die
Segnungen des Friedens zu
