 diesen, am wirksamsten zu fördern sind.«
    »Was?« fragte mein Vater, die Hand ans Ohr legend.
    Natürlich mochte Friedrich seinen langen Satz nicht wiederholen und
erläutern - und die Diskussion war zu Ende.
»Ich komme morgen 1 Uhr nach Grumitz, Konrad.«
    Den Jubel kann man sich vorstellen, den diese Depesche bei Lilli hervorrief.
So entzückt und freudig wird wohl kein anderer Ankömmling empfangen, wie einer,
der aus dem Kriege heimkehrt. Freilich war es in diesem Falle nicht auch, wie es
in den betreffenden Balladen und Kupferstichen am liebsten dargestellt wird:
»die Heimkehr des Siegers«; aber die menschlichen Gefühle der liebenden Braut
ließ sich von den patriotischen nicht beeinträchtigen, und hätte Vetter Konrad
die Stadt Berlin »genommen« - ich glaube, es hätte dies die Herzlichkeit von
Lillis Empfang nicht zu steigern vermocht.
    Ihm natürlich wäre es lieber gewesen, wenn er mit siegenden Truppen
heimgekehrt wäre; wenn er dazu beigetragen hätte, seinem Kaiser die Provinz
Schlesien zu erobern. Indessen: überhaupt sich geschlagen zu haben ist ja für
den Soldaten schon eine Ehre, auch wenn er der Geschlagene - ja sogar der
Gefallene ist; Letzteres ist ganz besonders rühmlich. So erzählte Otto, dass in
der Wien-Neustädter Akademie auf einer Ehrentafel die Namen aller jener Zöglinge
eingetragen sind, welchen der Vorzug zu teil wurde, vor dem Feinde zu bleiben.
»Tué à l'ennemi«, sagt man in Frankreich, und es ist dies dort zu Lande - wie
überall - eine, besonders bei den Ahnen, sehr geschätzte Eigenschaft. Je mehr
man in seiner Familie Vorfahren aufweisen kann, die in Schlachten - gleichviel
ob gewonnenen oder verlorenen - ihr Leben gelassen haben, desto stolzer ist der
Enkel darauf, desto mehr Wert kann er auf seinen Namen, desto weniger Wert darf
er auf sein Leben legen. Um sich getöteter Ahnen würdig zu zeigen, muss man an
der Töterei - an der aktiven und passiven - seine helle Freude haben.
    Nun, desto besser, dass, so lange es Kriege gibt, doch auch Leute vorkommen,
welche darin Erhebung, Begeisterung, ja sogar Genuss finden. Die Zahl solcher
Leute wird jedoch täglich geringer, während die Zahl der Soldaten täglich größer
wird ... wohin muss das endlich führen?
    Zur Unerträglichkeit.
    Und wohin führt diese?
    So weit dachte Konrad nicht. Seine Auffassung stimmte noch vortrefflich zu
der bekannten Lieutenantsarie aus der weißen Dame: »Ha, welche Lust, Soldat zu
sein, ha, welche Lust ...« Wenn man ihn reden hörte, konnte man ihn förmlich um
die Expedition beneiden, welche er eben mitgemacht. Mein Bruder Otto war auch
von solchem Neide ganz erfüllt. Dieser
