, dann vergrößerte sich die
momentane Entrüstung durch das verbitternde Bewusstsein seiner allgemeinen
schiefen Lage und den allgemeinen Ekel gegen das rechtlose Weltgetriebe. Dann
schlug er allerdings seine Krallen so furchtbar ein, dass man an der Klaue den
Löwen erkannte. Wofür war er sonst ein Leu? Der Leon bleibt ein Leon, man kann
ihn töten, aber nicht ändern. Immer und immer wieder löste sich das Rätsel
seiner plötzlichen Anfeindung der Menschen dadurch, dass die Anmassung der Andern
nie zu begreifen vermochte, dass er nicht wie ein andrer Gemeiner in Reih und
Glied zu marschiren habe. Viel zu gutmütig, um jemals Andere zu »drücken«,
verletzte er doch jede windige Eitelkeit ohne es zu ahnen, gleich wie der
sagenhafte Speer Ituriels überall die Lüge und Schlechtigkeit aufdeckt. Man
hasste ihn instinktiv. Er war so groß und dabei so cordial liebenswürdig, dass man
ihn doppelt hasste. Später erst wurde er herb und schroff. Er, dem die Tränen in
die Augen traten bei der Betrachtung jeder edelen Handlung, verhärtete sich
zusehends und zwang sich gleichsam zu eisigem Egoismus.
    Und fühlte Krastinik nicht, wie auch ihn mehr und mehr eine dumpfe Wut
gegen Lüge und Gemeinheit zu verzehren begann?
    Mit voller Billigung dachte er jetzt an die höhnischen Glossen Leonharts
über den heutigen Adel, welche er früher bestritten hatte. Mit verächtlichem
Lächeln hielt er Umschau unter den edelen Standesgenossen des Nachbaradels, wo
bereits über den »verrückten Sonderling« nicht wenig medisirt wurde.
    Eher geht ein Kameel durch ein Nadelöhr, ehe dass ein Junker oder ein Jude
sich bescheiden lernt. Die Katze lässt das Mausen nicht und die Abkömmlinge von
Strauchdieben oder fürstlichen Maitressen nicht den Wahn des blauen Blutes.
    Mag dieser elende »Adel« noch so sehr auf die Juden schimpfen, obschon bei
manchem näselnden Gardelieutnant die mütterliche Abkunft schon gar nicht mehr
verkannt werden kann, - unter dem Tisch waschen sich Juden und Junker allezeit
die Hände. Daher sagt Disraeli sehr richtig im »Koningsby«: Die Juden seien
wesentlich Torys. Denn der Semit dürstet nach »Vornehmheit« d.h. nach der
äußeren Geltung derselben. Er beruhigt sich nur in seiner unersättlichen
Eitelkeit, wenn er die übrige Welt zu seinen Füßen sieht. Daher zeigt er sich im
Verkehr entweder selbstüberhebend dreist oder kriechend gegen den Mächtigeren,
den er durch List besiegen möchte.
    Diese dem Judentume eingeborenen Fehler müssen nun mal aus seiner früheren
Abhängigkeit entschuldigt werden. Haftet doch im Grunde den meisten Menschen das
Snobtum an. Auch besitzen die Juden eine Menge vortrefflicher Eigenschaften,
welche für ihre weltkluge Streberei entschädigen, und dies zersetzende Element
übt sogar einen wohltätigen Einfluss aus auf die deutsche Michelei. Dass die
unduldsame Eitelkeit dieses auserwählten Volkes natürlich jedes freie Wort in
dieser Sache verpönen möchte, scheint
