 zu sagen - dem
        Lakaien, diesen ungeladenen Besuchern über die etwas steile Treppe
        hinabzuleuchten. Völlig überzeugt von der Abwesenheit jeder
        Geistesstörung bei dem edlen Lord, erlaube ich mir die Betonung der
        Tatsache damit zu verbinden, dass die durchaus unentschuldbaren
        Rauheiten im Benehmen desselben Ew. Ladyschaft gegenüber doch durchaus
        nicht diejenige Grenze erreichen, wo eine Scheidung notwendig scheint.
        So hoffe ich mich mit Sir Samuel Romilly, dem Sachwalter des edlen
        Lords, in Verbindung setzen zu dürfen, da es sich hier einfach um einen
        Versöhnungs-Fall handelt und wir leicht ein gütliches Übereinkommen
        treffen werden. - Ew. Ladyschaft direkten Befehlen entgegensehend,
        bleibe ich
                          Ihr ganz ergebenster Diener
                                                                Dr. Lushington.«
    In diesem geheimnisvollen Stil eines Wilkie Kollins ging die Sache nun
weiter, bis die Advokatencorrespondenz mit einem mystischen Abendbesuch Lady
Byrons bei ihrem Anwalt Lushington abbrach, worauf derselbe erklärte: nach einer
neuen Mitteilung, die ihm erst jetzt offenbart sei, bestehe er auf sofortiger
Scheidung.
    »Und der Grund?« fragte Roter hastig.
    »Ja, sehen Sie!« Krastinik blinzelte pfiffig, als wäre er schon ein
alterprobter Schlauberger und Sensationswüterich, der zur Abwechselung mal die
Geheimnisse Miss Braddons in zwanzig Bänden sammelt. »Da steckt eben der Haken!«
    Roter, dessen litterarischer Geschmack über den eines »gebüldeten« Lesers
in Deutschland nicht hinausging, fand diesen Anfang unendlich vielversprechend.
»Wie spannend! Nein wie spannend!« rief er einmal über das andere.
    »Ich bin überzeugt, Herr Graf, jeder Redakteur würde Ihnen nach einem so
spannenden Anfang das Werk aufs Geradewohl bestellen.«
    »Meinen Sie?« fragte Krastinik halb geschmeichelt halb zweifelnd.
    »Bestimmt. Unsre Romane werden immer langweiliger, man schläft bald ein.
Eugen Sue mag ja kein Ideal sein, aber man liest so etwas doch hundertmal
lieber, als unsre deutschen Sachen ohne Handlung und Spannung.«
    »Jaja, die Handlung ist dem Verleger die Hauptsache und dem Publikum auch,«
gab Krastinik zu, »das weiß ich wohl. Was kauf' ich mir für die lange
Psychologie, nicht?«
    »Natürlich. Sie sind zum Romancier geboren. Sie Glücklicher! Da können Sie
bald ein reicher berühmter Mann werden. Und dazu Ihr Name, Herr Graf! Wir haben
schon verschiedene Grafen und Gräfinnen, die schreiben. Wenden Sie sich gleich
an die große Firma Hallberger in Stuttgart. Ich kann Ihnen vielleicht eine
Empfehlung geben, da ich mit Über Land und Meer in geschäftlicher Verbindung
stehe als Illustrator.«
    »Meinen Sie also wirklich?« Der edle Xaver fiel mit Heisshunger über den
ehrlich gemeinten Köder her. »Nun, da wär' es wohl das Beste, wenn ich mal
selbst in Berlin Umschau hielte und mich mit Blättern
