 uns mit
frommen Bussgedanken zu ködern. Und wir sind ja allzumal Sünder - ich muss Ihnen
nur gelegentlich einmal meine intimeren Skizzen zeigen, proh pudor! - aber ich
schwöre Ihnen bei meiner Künstlerehre, bei der kleinen Flora Kuglmeier lernte
ich Respekt.«
    »Das ist allerdings seltsam,« sagte Drillinger in Gedanken und ließ seinen
Blick über die prachtvolle Figur des Künstlers gleiten.
    »Glauben Sie mir, Herr Baron, diese Erfahrung war mir eine wahre
Herzstärkung. Zuerst freilich war ich ein wenig beschämt, dann aber jubelte ich
auf: Gott sei Dank, es gibt noch reine Frauenherzen und Frauenleiber! Besonders
für einen Künstler ist diese Erfahrung notwendig und dieser Glaube ... Im
Keuschen liegt eine göttliche Kraft. Unser Zwerger ist ein seliger Mann. Jetzt
ist er geborgen. Jetzt wird er sich auch zum rechten Zielbewusstsein
aufschwingen, nachdem sein Leben ein Zentrum in der Liebe gewonnen. Wenn ihm die
Umstände nur ein wenig hold sind, wird er mit der Ausführung seiner Isarpläne
seine Künstlerlaufbahn krönen.«
    »Was ist es denn eigentlich mit diesen Isarplänen?«
    »Das ist leicht und schwer zu sagen, je nachdem. Im Prinzip handelt es sich
darum, diese landschaftlich einzigen Bauplätze an den Isarufern der gemeinen
Zinshaus-Bauspekulation zu entreißen und sie einem dem künstlerischen Ruhme
Münchens würdigen Zwecke zu weihen. Es gilt da freilich zunächst einen heißen
Kampf mit dem barbarischen Mammonismus, der alles phantasievoll Grandiose,
sofern es nicht sofort rentierlich im kapitalistischen Sinne, mit Füßen tritt.
Und hier soll für die Kunststadt München eine Entscheidungsschlacht geschlagen
werden, welche die künstlerische Vorherrschaft Bayerns auf Jahrhunderte hinaus
in Deutschland befestigen oder vernichten soll. Ein halbes Dutzend lumpiger
Millionen und der königliche Schutz - und die Isarufer bedecken sich nach den
Zwergerschen Entwürfen mit Kunstausstellungsbauten, Museen, Galerieen,
dazwischen Privatäusern im reichsten Pavillonstil, Gärten, Anlagen,
Brunnenwerken, Statuen und so weiter, wie die Welt nichts Ähnliches gesehen ...«
    Drillinger lächelte: »Millionen und königlicher Schutz! Unter den bekannten
obwaltenden Umständen!«
    »Vorerst heißt's nur Zeit gewinnen - für die Veränderung der
augenblicklichen Umstände. Von heute auf morgen kann ein ungeheurer Wechsel
eintreten. Der König ist krank, weltflüchtig, regierungsmüde. Er hat
Außerordentliches für das Kunstgewerbe geleistet, ja, man kann sagen, dass er das
bayerische Kunstgewerbe geschaffen und auf die gegenwärtige Höhe gebracht hat.
Aber jetzt sind seine Mittel erschöpft. Er ist am Ende seiner Kraft. Ultra posse
nemo obligatur. Nicht einmal ein König. Lassen Sie die Krone auf ein anderes
Haupt übergehen ... In diesem Sommer feiert Münchens Künstler- und Bürgerschaft
das Ludwigs - Jubiläum, die Hundertjahrfeier der Geburt Ludwigs I., des größten
Kunstkönigs. Sein zaubermächtiger Geist ist im
