 das sich nicht verregnen lässt und üblen Qualm erzeugt.
Für die Beurteilung des Königs fordert sie den tragischen Maßstab und verwirft
den banal-kritischen. Sie betont die Ohnmacht des Einzelnen, und wäre er noch so
hochgefürstet, gegenüber der unerbittlichen modernen Staatsmaschine. Auch für
die Logik des Geldwesens fordert sie Respekt.
    »Das kleine Einmaleins hat schon die Grössten zu Fall gebracht. Ein
Rechnungsfehler ist auch ein Stück Fatum.«
    Bitte, nicht dieses Stirnrunzeln, mein verehrter Doktor Trostberg, das
offenbar sagen will: Die hat's ihm mit ihrer klugen Hausbackenheit angetan, mit
ihrem Gegengewicht zu seiner Kunstschwärmerei! Sie wissen ja noch gar nichts.
Ich bin heute außer stande, ein volles, rundes Charakterbild zu zeichnen. Ich
gebe nur einzelne Züge, die sich in dieser Abgerissenheit vielleicht zu
widersprechen scheinen. Zum Beispiel, fügen Sie in das bisher Gesagte die
wärmste Kunstbegeisterung ein, die umfassendste, die mir jemals bei einem Weibe
vorgekommen. Noch ein Wort von ihr: »An unserer Isar wird eine
Entscheidungsschlacht geschlagen werden: wer in München als der Stärkste die
nächsten Generationen beherrscht - der Kunstsinn oder der Kapitalismus, Geist
oder Geldsack.«
    Kurz, eine ungewöhnliche Person. Und dabei rührend anspruchslos. Und so
bescheiden in ihren Bedürfnissen, in ihrer Kleidung. Wie das alles zusammen die
Schönheit ihrer Erscheinung erhöht! Wäre sie Schauspielerin geworden, raten Sie
einmal, welche Meisterrollen die Pole ihres Wesens bezeichnen würden! Nichtwahr,
da reiben Sie verlegen Ihre pessimistische Denkerstirn, mein geheimer
königlicher Separatdichter? Ich will Ihnen darauf helfen: der Shakespearische
Puck und die Ibsen'sche Nora. Verschmelzen Sie Puck und Nora - die Nora des
letzten Aktes, den lichten Sommernachtstraum mit der düsteren
Winternachtstragödie - - - Nein, nein, auch das würde nicht ausreichen, die
geheimnisvolle Art meines Originals erschöpfend darzustellen. Die Menschennatur
hat Mischungszauber, hinter die noch kein Poet gekommen ist. Wie wunderbar ist
auch diese Wirklichkeit: ich alter architektonischer Nussknacker träume hier in
Pompeji, der schönsten und heitersten Ruinenstadt die einst in der Venus ihre
Patronin verehrte, von unsern bajuwarischen Isar-Auen; ich höre den Heimatstrom
durch die Stille der Ruinen rauschen und vor meinem süditalischen Sonnenblick,
in welchem die Farben und Linien des glücklichen Kampaniens als das herrlichste
Landschaftsgemälde der Erde schwimmen, gleitet plötzlich deutscher Mondschein
und deutsches Sternenlicht sanft durch die Wipfel unserer hochragenden, im
Nachtwinde flüsternden Isar-Buchenwälder und wecken die nordischen Märchen auf,
die im grünen Blätterdunkel schliefen, und die Elfen schlingen ihren luftigen
Reigen, allen voran Puck, der allerliebste, allerschönste Puck ...
    Pompeji! Pompeji!
    Ich wollte schon längst diesen endlosen, konfusen Brief schließen, aber im
Zimmer nebenan schreibt Puck, ich wollte sagen: Fräulein Flora Kuglmeier,
gleichfalls
