 Wir werden mit
einander zufrieden sein. (Während des Antwortschreibens pfeift er den Refrain
»Fest steht und treu die Wacht, die Wacht am Rhein«). Diesmal hoffe ich mich
selbst zu übertreffen. Kanonendonnerwetter, da ist ja noch ein Postskriptum auf
der andern Seite. Selbstverständlich verpflichtet sich mein ritterlicher
Auftraggeber, seiner Generosität keine Schranken zu setzen, falls Ihnen in
Ausübung Ihres Berufes in seinen Diensten irgend ein Unfall zustossen sollte oder
wenn Sie von irgend einem pedantischen Staatsanwalt wegen Jagdfrevels oder
Tierquälerei gefasst würden und ein bisschen bluten oder brummen müssten. Sie
werden für sämtliche unangenehme Folgen, welche Ihnen das kunstgerechte
Totetzen unseres lieben, niedlichen Rehs etwa zuziehen könnte, vollauf
entschädigt werden ... Da sage noch einer, dass es keine Noblesse mehr in der
Welt gibt! Dieser Brief ist ein Dokument zum Küssen ...
    »Ah, Herr Chefredakteur, guten Morgen! Ist's erlaubt, einzutreten?«
    Der Pressbandit fuhr auf. »Sehr angenehm, Herr Paillard! Es ist mir eine
große Ehre, Sie wiederzusehen. Wir sind ganz allein, aber ich bin gerade sehr
beschäftigt. In der Hitze des Gefechtes habe ich sogar einen für Sie bestimmten
Brief erbrochen.«
    »Wie das? Das ist ja sehr merkwürdig.«
    »Sehen Sie, unsere beiden Adressen standen hier nebeneinander. Der Irrtum
ist erklärlich. Sie werden mir glauben, dass keine Absicht im Spiele war.«
    »Geben Sie her.«
    Nachdem er den Brief flüchtig gelesen, ohne die geringste Bewegung zu
verraten, steckte er ihn zu sich mit den Worten: »Eine Kaprice von Monsieur
Weiler, ganz ohne Bedeutung.« In Gedanken setzte er bei: »Verdammter Gauner von
einem Winkeljournalisten.«
    »Verdammter Gauner,« dachte auch der Pressbandit in seinem Sinn.
    »Ich habe große Eile. Ihre Frau hat gewiss neue politische
Liebenswürdigkeiten für mich? Die bayerische Politik ist ja spannend wie ein
Roman. Täglich neue Verwicklungen. Die widersprechendsten Gerüchte
durchschwirren die Luft. Man munkelt sogar von einer Regentschaft. Der König
soll entmündigt werden. Unerhört. Hoffentlich bestätigt sich das nicht. Das wäre
zu fatal für unsere Pläne. Nein, nein. Was ich fragen wollte: was ist's denn mit
diesem Baron Drillinger? Ist er gewiegter Militär? Hat er gute Verbindungen?
Geniesst er Vertrauen? Leicht zugänglich scheint er nicht zu sein. Ich habe ihn
gestern beobachtet. Weiler war so gütig, mir seine Bekanntschaft zu vermitteln.
Spricht man von seinen Geldverlegenheiten?«
    »Mehr von seinen Liebschaften.«
    »Das weiß ich. Eine sentimentale, aber verschlagene Natur. Keine üble
Disposition für unsere Zwecke.«
    »So lang er noch an dem Rassler'schen Weib hängt, ist
