Und wegen der Frau Rassler, die jetzt auch ein Verhältnis mit ihrem
Hauslehrer, einem gewissen Kandidaten Schlichting, haben soll. Gestern Abend
soll sie bei ihm auf seinem Zimmer gewesen sein.«
    »Das ist wichtig. Aber die Person wird erst nächste Woche gründlicher
verarbeitet. Das gibt dann ein weiteres Kapitel. Sehr gut. In der letzten Nummer
hat sie schon spüren können, wo der Wind herweht. Die Anspielung auf den jungen
Engländer war brillant, aber vielleicht zu fein. Na, da können wir ja
nachhelfen. Warten wir die Wirkung noch ein paar Tage ab. Nach dem Engländer
schlachten wir sie mit dem Hauslehrer ein - schließlich bleibt uns noch der
Drillinger. Da wird nicht ausgelassen, bis sie Goldfüchse schwitzt. Bist
zufrieden, Alte? Also richte mir einstweilen den Stoff her. Ich will mir gleich
den Namen notieren. Das gibt einen Hurenskandal. Jetzt geh' zu Deinem Kind. Eins
nach dem andern. Auf meinem Redaktionsbüreau muss Ordnung sein.«
    Er sagte stets nur noch zu »Deinem« Kind, seit er sich über die Zweifel der
Vaterschaft in einer prügelfrohen Nacht endgültig mit ihr verständigt hatte.
Sein Intimus und Adlatus, der Herr Leutnant Kropfer, hatte ihn sehr geistreich
getröstet: »Gewisse Kinder sind immer mehr oder weniger Mosaikarbeit; das bringt
die Kunst so mit sich. Wenn das Mosaik gelungen ist, merkt kein Teufel mehr die
einzelnen Stifte. Schließlich schätzt man das Kunstwerk und pfeift auf den
Künstler. Amen Selah. Maraschino und Kompagnie.«
    Der Pressbandit hatte alles aufgegessen und aufgetrunken, sich das Maul
abgewischt, das Kaffeeservice auf die Komode gestellt und beeilte sich nun, noch
schnell ein bisschen Toilette zu machen, das heißt: seinen Schnauz- und Kinnbart
schwarz zu färben, seinen braunen Künstlersamtrock anzuziehen und seine
Filzbabuschen gegen Lacklederschuhe zu tauschen. Das war seine kleine Eitelkeit.
Seine größere war: sich jeden Morgen mit dem Helden von Lepanto, mit Cervantes,
zu vergleichen. Wie er auf diesen grotesken Einfall kam? Das war ein sinniger
Gedanke der Dichterin Tusnelda Wechsler. Nachdem sie sein Schweigen über ihre
erotischen Gedichte, richtiger, über ihre zahlreichen Liebschaften, die sie
darin besungen, mit Champagnerkörben und Zigarrenkisten glaubte nicht mehr
ausreichend erkaufen zu können, packte sie ihn am Eitelkeitszipfel. »Nein,
schöner, heldenhafter Mann, wie Sie einem der größten Heroen der Kriegs-und
Litteraturgeschichte gleichen, ist in der Tat wunderbar! Sie sind Cervantes wie
er im Buche steht.« »Wer ist Cervantes? Ich erinnere mich im Augenblick dieses
Namens nicht,« entgegnete er mit genialer Ignoranz. »O Sie liebenswürdigster
aller Schäker, wie fein Sie mich täuschen wollen. Sie möchten Ihren großen
Kollegen verleugnen, weil Sie ihm körperlich und
