 in der Art seines Tagewerkes sein kann, will er
sich überhaupt noch in dem faulen Sumpfe erhalten, der für ihn das Leben
geworden. Aus seiner früheren Zeit hatte er sich wohl noch manche Beziehung
bewahrt, die er als galanter Abenteurer und Schmarotzer ausbeuten konnte. Von
reich verheirateten Damen, denen er einst zu mancherlei heimlicher Kurzweil
behilflich gewesen und die seine Enthüllungen fürchteten, bezog er jahrelang
einen Tribut. Allein auch diese Quellen sind im Wechsel der Zeit und der
Verhältnisse endlich versiegt. Vom Salonstrizzi und gelegentlichen Mitarbeiter
der besseren humoristischen Blätter ist er von Stufe zu Stufe bis zum
journalistischen Wegelagerer und Staudenhecht gesunken. Neben manchem guten Fang
und fetten Brocken waren es lange Zeit doch nur schmale Bissen, die er zu
erjagen bekam, weil er als Einzelner mit seiner Haut einstehen musste und seine
Schleichwege dem Auge der Polizei in allen Krümmungen bekannt waren. Die
Münchener Verhältnisse erwiesen sich als nicht grossstädtisch und kompliziert
genug, um auf eigene Faust das Freibeutertum mit hinlänglicher Regelmäßigkeit,
Ergiebigkeit und Sicherheit auszuüben. Mit der Gründung der Kloake eröffnete
sich ihm plötzlich die glänzende Aussicht eines festen Erwerbs in der
Pressbanditen-Branche unter der Verantwortlichkeit eines andern. Jetzt brauchte
er seine gefährlichen Schmieralien nicht mehr persönlich zu hausieren; er hatte
in der Kloake ein gesichertes Absatzgebiet, wo er unter dem Schutze des
verantwortlichen Herausgebers und Verlegers darauflos hantieren konnte, ohne der
Welt gegenüber im schlimmen Falle mit seiner eigenen Person einstehen zu müssen.
In der Redaktion der Kloake hat das Schmierantentum eine regelrechte
Organisation gefunden, wo jeder einzelne Mitarbeiter in erwünschter Anonymität
hinter dem Schilde des einzig verantwortlichen Räuberhauptmannes und Chefs
seinem Gewerbe fröhnen, seine Notdurft befriedigen kann. In der königslosen
Residenzstadt, wo durch die Abwesenheit eines die höchsten Gebiete des geistigen
und geselligen Lebens macht- und glanzvoll umspannenden und befruchtenden
Hoflebens auch Literatur und Journalistik mehr und mehr in die Wege des
spiessbürgerlichen Industrialismus getrieben und der kapitalistischen Ausbeutung
unterworfen wurden, konnte sich in den letzten Jahren besonders in der
niedrigeren Tagespresse eine immer entschiedenere Richtung ausprägen, welche die
ergiebige Pflege der schmutzigsten Skandal- und Schmähsucht auf ihre besudelte
Papierfahne geschrieben hat. Hatte selbst in den glücklicheren Zeiten der noch
am Königshofe regelmäßig gepflegten Symposien die hauptstädtische
Tagesschriftstellerei die größte Mühe, mit der Aristokratie des Geistes und der
Geburt in Fühlung zu kommen und dadurch ihr Ansehen und ihren Einfluss in Stadt
und Land zu erhöhen, so waren jetzt, in der Epoche der Residenzflucht des
Staatsoberhauptes, doppelte Anstrengungen nötig, um in der Journalistik Münchens
eine dem hohen Rufe der Kunststadt einigermaßen entsprechende Repräsentation
aufrecht zu erhalten. Durch den Mangel einer königlichen Hofhaltung war ja das
residenzstädtische Leben der süddeutschen Biermetropole der stärksten
Triebkräfte und Anregungen zur Entfaltung vornehmer, reicher Geselligkeit im
großen Stile beraubt. Es fehlten die hohen Vorbilder, im Rahmen eines genial
pulsierenden
