 eisernen Ketten gebunden schien, verdunkelte
die trübe Stimmung noch mehr, die ihn befallen. Er nahm sich vor, den Advokaten
von der weiteren Verfolgung Wohlwends abzumahnen, damit der Mensch aus seinem
Gedächtnis eher verschwinde. Aber trotz dieses Vorsatzes bedurfte es des
freundlich erleuchteten Wohngemaches, in das er trat, und der um den Tisch
versammelten Kinder, die seiner harrten, um ein leichteres Herz zu gewinnen. Die
Gattin, die seine trüben Augen noch schnell gesehen, kam mit einer sorglichen
Ansprache schon zu spät.
    Als Martin bald darauf zu seinem Advokaten ging, fand er diesen schon selbst
von dem Gedanken abgekommen, amtliche Nachforschungen über die Natur des
Wohlwendschen Frauenvermögens zu veranlassen. Es schien ihm doch nicht tunlich,
auf Grund unbestimmter Gerüchte und einer bloßen witzigen Vermutung in
entlegenen Ländern so vorzugehen. »Wenn wir die Angel jetzt auswerfen,« sagte
er, »so wird sie uns kurz abgerissen; halten wir sie aber noch zurück, so kann
sie uns unversehens einmal nützlich werden.«
 
                                      VII
Martin säumte nun nicht, seine Handelsgeschäfte wiederaufzunehmen, d.h. sich für
deren Fortführung auf dem Platze Münsterburg einzurichten. Er mietete die
nötigen Räume für Kontor und Magazine, und bald saß auch ein Schreiber am Pult
und lief ein Lehrling ab und zu. Frau Marie bat sehr, ihr die kleine
Handelsanstalt im Hause zu lassen, und er tat es mit Vergnügen, da er ihr
gewisse Gegenstände zuzuweisen gedachte, deren Bewältigung ihm selbst zu
umständlich und wenig lohnend schien. Aber es stellte sich heraus, dass die
wackere Frau nicht so leicht auf alles einging, sondern bereits so gut ihre
Grundsätze besaß wie ein altbewährtes Handelshaus. Sie wollte sich mit nicht
vielen, aber als gut bekannten Waren begnügen, für welche sie eine sichere
Kundschaft wusste; diese vermehrte sich unausgesetzt, aber gemächlich und ohne
Gedränge, so dass sie nie genötigt war, den Bedarf in ungeordneter Weise zu
decken; kurz, ihr Geschäft war eines von denen, welche man ein stilles
Goldgrüblein zu nennen pflegt.
    Der Mann hütete sich, sie hierin zu stören, und ließ sie gerne fernerhin
ihre besondere Rechnung führen, die er geprüft und in Ordnung gefunden hatte.
Freilich musste er dabei die buchmässigen Posten des Soll und Haben aus ihren
verschiedenen Heften und Büchelchen zusammensuchen, und Marie Salander schaute
ihm etwas ängstlich zu, was wohl herauskommen werde; doch lachte sie vergnügt,
als schließlich bis auf den letzten Franken alles in schwarzer und roter Tinte
an seinem Orte stand, mit Bilanz und Nachweis.
    So hauste Martin Salander mit den Seinen wieder auf altem Grunde und konnte
beruhigt in die Welt und in die Jahre hinausschauen, soweit es der Mensch
verlangen kann; denn wer auch nicht Welt und Zeit zu überholen strebte, dem
