 im Sichkreuzen der
Anforderungen wie in einen Wirbelwind zu stehen, da ihn alle an sich ziehen
wollten.
    Der Kampf drehte sich nun vorzüglich um die Frage, ob die neueste
schweizerische Volksherrschaft dem Andrange der sozialen Umwälzung ihren Grund
und Boden zur Verfügung stellen solle, d.h. ob man dem Volke vorgeben könne, es
sei das sein Zweck und sein Wille gewesen. Durch diese Frage entstand ein
gelindes Schieben und Verändern der Parteibestände, während das Volk im ganzen,
als ein fremder, dunkelartiger Körper betrachtet, schwieg.
    Salander verfolgte den Mittelweg, die Fühlung mit dem gesellschaftlichen
Umsturz abzulehnen, dagegen die Zustände durch das Verstaatlichen aller
möglichen Dinge in den bisherigen Formen zu erleichtern und zu verbessern, so
dass er einen Standpunkt einnahm, den er vor kurzen Jahren noch bestritten hatte,
die damaligen Inhaber jedoch als einen überwundenen schon preiszugeben bereit
waren.
    Indessen nahmen auch diese alles Gebotene vorläufig auf Abschlag und zur
heilsamen Übung entgegen; in den Gemeinden und draußen im Bunde wehte der
nämliche Wind, überall wurden Ausgaben beschlossen zu Hilfs- oder Kulturzwecken;
Martin Salander aber war unermüdlich, mitzuwirken und neue Erfindungen in Umlauf
zu bringen.
    Seine Schwiegersöhne leisteten ihm zuweilen Adjutantendienste, indem sie
überall, wo sie hinkamen, seine Ideen oder solche, für die er einstand, in den
Gemeinden unter das Volk warfen, auch wo niemand an eine neue Unentgeltlichkeit
oder öffentliche Wohltat gedacht hatte, die nun sofort unentbehrlich schien.
    Marie erbaute sich ordentlich an dem guten Herzen Martins, mit welchem er
sich dieser Tätigkeit freute. Eines Tages fand sie in einem seiner abgelegten
Röcke das Taschenbuch mit den Budget- und Staatsrechnungsauszügen.
    »Hast du das Buch nicht vermisst?« fragte sie, ihm dasselbe zeigend; »es
steckte in dem alten schwarzen Rock, den du seit einem Jahre nicht mehr
anzogst.«
    Salander besah das Buch.
    »Hm! wahrhaftig, ich hab es nicht vermisst! Ich brauche es auch nicht mehr so
notwendig; denn erstens sind mir diese Dinge jetzt geläufiger und sodann wird
unlang eine Verschiebung derselben eintreten müssen. Verschiebung, das ist
eigentlich ein schlechtes Wort, welches die heimlichen Sozialisten in den Mund
nehmen, wenn sie friedlich verschämt andeuten wollen, wohin sie zielen. Dass eine
etwelche Verschiebung stattfinden werde, heißt es dann, sei nicht zu bezweifeln
und nur eine Frage der Zeit!«
    »Aber was meinst du denn damit?«
    »Ich? Siehst du, ich meine es ungefähr so: durch den gebieterischen
Fortschritt der Zeit wachsen die Ausgaben auf allen Punkten so sehr, dass die
Einnahmen sie nicht mehr decken; wenn zum Beispiel die Gemeinden die ihnen
gestellten Aufgaben gehörig lösen wollen, so werden sie zu stark belastet, und
der Staat, will sagen der Kanton,
