 wie man zu sagen pflegt, ein
Licht aufgesteckt worden. Mein Enkelsohn betreibt in der französischen
Hauptstadt die Wissenschaft und schreibt Lesebücher. Er hat die Kunst von seiner
Mutter, meiner Brigitte, geerbt; nur dass das, was mein Enkelsohn macht, sich
reimt wie die Lieder, die im Gesangbuche stehen. Aber eine Sünde ist das
Versemachen nicht und eine Schande auch nicht; und ein ganz hübsches Stück Geld
kommt bei dem Bücherschreiben heraus. Meinst du nicht auch, Kandidat?«
    »Unter Umständen allerdings.«
    »Unter Umständen bloß, he? Wovon hätten denn meine Brigitte und ihr
Professor gelebt und gut gelebt? Geld wie Heu, sage ich dir, wenn auch nicht
ganz so viel, wie sich bei der Ökonomie herausschlagen lässt. Aber die kann mein
Enkelsohn ja auch noch betreiben lernen, er ist ja noch ein junges Blut. Was
aber den Professor anbelangt, den Wittmann von meiner Brigitte, kein Gedanke an
einen Freimaurer bei ihm! der Beifuss ist ein Esel, dass er mir den Freimaurer in
den Kopf gesetzt. Die Lesebücher, die der Professor schreibt, kann einer wie
Beifuss ja gar nicht verstehen. Und den Herrgott hat der Professor in seinen
Schriftstücken auch beileibe nicht abgesetzt. Nur einen anderen Mantel hat er
ihm umgehängt; grasgrün und himmelblau, statt nach der alten Mode Purpur und
Gold. Na, das ist seine Sache. Herrgott bleibt Herrgott. Die Hauptsache ist das
Gesetz. Was nun aber vollends mein Sidonchen - -«
    Er machte von neuem eine Pause, und Dezimus stand vor Staunen starr und
stumm. Wer hatte dem blinden Greise dieses Licht aufgesteckt? Ein Traumgeist,
der Geist des Weins, oder bloß das Frohgefühl der Genesung? Hatte Peter Kurze
ihn in die Kur genommen? oder etwa - etwa Lydia? Zuzutrauen wäre die Absicht dem
weißen Fräulein sicherlich gewesen; aber die Wirkung, diese Wirkung einer Lydia
auf einen Johann Mehlborn? Des Kandidaten Blicke folgten denen des Amtmanns nach
der Tür. Er unterschied aber nichts als die blankgeputzte Messingklinke.
    »Was aber mein Sidonchen anbelangt,« fuhr der Alte fort, »so hast du zum
dritten Male wahrgesprochen, Kandidat. Mein Sidonchen ist dir ein ganz
scharmantes Mädchen; rund und rot wie ein Borsdorferapfel, zum Anbeissen, sag ich
dir, und von wegen des Schulterstücks, na, weiß Gott, die Brille müsste einer
aufsetzen, wenn er die Schiefigkeit bemerken sollte!«
    Kicherte da nicht jemand hinter der Kammertür? Törichte Einbildung! es ist
ja alles mäuschenstill, und der über Nacht bekehrte Großvater fährt auch ganz
ungestört in der Anpreisung seines Fleisches und Blutes fort: »Zehn Männer,
Kandidat, kann dir mein Sidonchen kriegen; ein Dutzend Wochenbetten wären nicht
zuviel für sie;
