 ein bisschen
stark. Da wäre ich ja nicht besser als ein Hund oder Pferd, die wohl einem Herrn
anhängen, aber keinen Vater und keine Mutter kennen. Sind uns denn die
Anverwandten für nichts und wieder nichts vom lieben Gott gegeben? Und wenn dein
Großpapa den Spieß nun umdrehte und sagte: mein Herr Enkelsohn ist gar nicht
nach meinem Geschmack, ich werde mir einen Erben suchen, der mir gefällt?«
    »Würde ich seine Geschmacksrichtung durchaus in der Ordnung finden,«
entgegnete lachend Max, »wenn auch die Folgerung auf das Pflichtgebiet anders
gezogen werden muss für den, welcher das Leben gibt, und dem, welchem es
willenlos gegeben wird. Auch das Tier sorgt für seine Brut. Beruhige dich
indessen, Freund; keinem Bauer, richtiger ausgedrückt, keinem Ungebildeten fällt
es ein, sich einen fremden Erben zu suchen, wenn ihm der natürliche auch noch so
wenig zusagte. Das ist es ja eben, was ich Blutszwang, item der Liebe Gegensatz
genannt habe.«
    »Ich würde es ganz anders nennen, Max.«
    »Und wie, Bruder Leutnant, wenn es beliebt?«
    »Das richtige Wort fällt mir nicht gleich ein. Aber würde ich denn, nämlich
gar nicht etwa bloß, weil ich es geschworen, sondern ganz von Natur, nicht mehr
an meiner Fahne hängen, weil ein siegreicher Feind sie in Fetzen gerissen
hätte?«
    Lydia drückte ihrem Bruder mit einem zustimmenden Blicke die Hand, und das
war das erste Zeichen des Widerspruchs, das sie sich gegen ihren Verlobten
gestattete.
    Unter Donner und Blitz erreichten sie das Haus. Sidonie war mit den beiden
jüngeren Kousinen nach der Pfarre gegangen, dagegen eine Briefsendung der Mutter
aus der Schweiz eingetroffen als Antwort auf die Verlobungsanzeige von s
des Propstes und der Kinder.
    Mütterliche Freude hatte die Verbindung mit einer Familie, die ihr so
fremdartig gegenüberstand, Frau Brigitten ja nicht erwecken können; schlechtin
Einspruch dagegen zu erheben war indessen unstattaft, und zu pflichtmässig
aufrichtig, um einen Anteil, den sie nicht empfand, mit Phrasen abzufertigen,
behandelte sie das Verhältnis eingänglich von einer Seite, die bisher,
geflissentlich oder nicht, unberührt geblieben war, von der praktisch
häuslichen.
    »Du hast, mein Sohn,« so schrieb sie unter anderem, »mit dem Leben bisher
getändelt wie ein Kind. Nun baue ich darauf, dass das, was du dein Glück nennst,
den Ernst des Mannes in dir reifen und dich für die erste Menschenpflicht, die
einer der Gesamtheit nutzbringenden Tätigkeit, tüchtig machen werde. Wenn deine
künftige Gattin dir in diesem Sinne eine Gehülfin wird, dann, aber auch nur
dann, wirst du wie den Zweck der Ehe mit ihr erreichen, so das Glück der Ehe
durch
