 in den Briefen des Jünglings einen festen, die Wahrheit suchenden Sinn
erkannte. Durch den Briefwechsel wurden Vater und Sohn in ganz neuer Weise
Herzensfreunde, und der Sohn gewann in dem rückhaltlosen Aussprechen über alles,
was ihm die Seele bewegte und seinen Geist beschäftigte, vielleicht mehr
Weltweisheit, als durch die Vorträge der Professoren.
    Als Friedrich einmal im Postskript beiläufig gefragt hatte, ob Nachrichten
von Torn angekommen seien - er wollte nicht geradezu nach Dorchen fragen -, da
erhielt er zu seiner Verwunderung mit der Antwort des Vaters die Abschrift eines
Briefes, welchen der erste Bürgermeister von Torn, Herr Roesner, dem Vater
gesandt. Danach hatte Dorchen den Brief des Vaters abgegeben, sie hatte den
Städtern sehr gefallen, war mit den Frauen zum Gottesdienst gegangen und für
längeren Besuch eingeladen worden. Wegen des Gusekschen Schreibens von 1531 aber
berichtete der Konsul, dass er mit mehr Auskunft dienen könne, als vielleicht
erwartet werde; sein Kollege Zernecke, der zweite Bürgermeister, sei selbst als
Historikus eine Autorität, und dieser wusste, dass in jenen alten Zeiten eine
Familie König zu den Mitgliedern des Artushofes, also zu der angesehenen
Bürgerschaft, gehört hatte. Auch das Eckhaus war ermittelt worden, es war alt
und baufällig und gerade in den Besitz eines Bürgers übergegangen, der sich
rüstete, dasselbe umzubauen. Da hatten die Herren Bürgermeister aus dem alten
Briefe Veranlassung genommen, dem wohlgesinnten Besitzer das Geheimnis der Stube
mitzuteilen; es hatte sich sogleich ergeben, was bis dahin noch niemand
beobachtet, dass durch leichtes Fachwerk ein Teil des ursprünglichen Zimmers
abgeschlossen war. Der Besitzer hatte in Gegenwart der Bürgermeister die
Zwischenwand einschlagen lassen und dahinter einen großen Wandschrank gefunden.
»Ich selbst habe, da der Hauswirt die Berührung scheute, den Schrank geöffnet«,
schrieb Herr Konsul Roesner, »aber nichts darin gefunden als eine verrostete
Rüstung und ein modriges Gewand, welches einem Armsünderkittel ähnlich sah; ich
verberge Euer Ehrwürden nicht, dass mich einen Augenblick das Grauen überkam, als
ich große dunkle Flecke darauf erkannte. Was man dort verbergen wollte, war
offenbar etwas Ungünstiges aus einer Zeit städtischen Unfriedens.«
    
    Mit einer scherzhaften und verbindlichen Wendung bat darauf der
Bürgermeister um Fortsetzung der angeknüpften Verbindung und deutete an, dass es
ihm wünschenswert wäre, von der neuen Leipziger Büchermesse gewisse Neuigkeiten
gegen Wiedererstattung der Auslagen früher zu erhalten, als bei der langsamen
Spedition durch die Buchhandlung möglich würde.
    Da der Vater ermahnte, die Aufträge des Herrn Konsuls sorgfältig
auszuführen, und Fritz in Leipzig gute Gelegenheit fand, das Bücherpaket nach
Torn zu spedieren, so machte es sich, dass er selbst mit den beiden
Bürgermeistern, zumal mit dem gelehrten Herrn Zernecke, in höflichen Brief
verkehr trat, und diese Verbindung wurde ihm eine größere Freude, als er selbst
