 worden. Ich war bei der Montage der Maschine beschäftigt
gewesen. Alles war der Ordnung gemäß vor sich gegangen. Die Grundplatte war nach
der Wasserwage genau horizontal gelegt worden, die untere Fläche war nicht genau
genug gehobelt gewesen, und man hatte nachgeholfen; die Schwungradwelle war
gelegt, die Lagen waren regulirt, die Löcher gebohrt; die Maschine war so weit
fertig, dass nur noch die Zusammenfügung der Steuerungsteile und die Regulirung
des Dampfschiebers notwendig war. Auch dies war geschehen; aber als der
Monteur, in die Schwungradwelle greifend, die Maschine probeweise in Bewegung
setzen wollte, stellte es sich heraus, dass der Schieber eine falsche Bewegung
machte. Der Monteur und ich sahen uns bedenklich an; wir verglichen auf das
Sorgfältigste die Dimensionen der verschiedenen Teile mit den in der Zeichnung
angegebenen Massen, fanden aber keinerlei Differenz.
    »Da sollte doch gleich das Donnerwetter drein schlagen,« sagte der Monteur.
    »Was gibt es denn?« fragte der Obermeister Roland, der eben herantrat.
    Der Obermeister Roland war ein cyclopenhafter Mann, dem das linke Bein vor
Jahren von einer Maschine gebrochen war, und der in Folge dessen hinkte, worauf
er sich nicht wenig zu gute tat, nachdem er einmal gehört, dass der Gott seines
Handwerks, der alte Vulcanus, mit demselben Gebrechen behaftet gewesen sei. Der
Obermeister Roland hatte überhaupt eine so gute Meinung von sich, dass unter dem
weit überhängenden Strohdach seines dicken Schnurrbartes um den linken
Mundwinkel beständig ein überlegenes Lächeln spielte, welches von Zeit zu Zeit
in den dichten Urwald seines struppigen Kinn- und Backenbartes schlüpfte, um
dort vermutlich ungesehen weiter zu spielen.
    Der Obermeister Roland blickte, nachdem ihm der Fall vorgelegt war, den
Monteur, mich und zwei andere Arbeiter, die noch zugegen waren, der Reihe nach
an, ließ das sonnige Urwalds-Lächeln unter dem Strohdach munter spielen und
sagte dann: »Nun, dann steckt irgendwo ein Fehler in der Ausführung, geben Sie
mir einmal die Zeichnungen.«
    Herr Roland verwechselte übrigens consequent den dritten mit dem vierten
Fall und umgekehrt; er behauptete in gemütlichen Stunden, dass seit Blücher, ja
wahrscheinlich schon seit undenklichen Zeiten, alle großen Männer in Deutschland
dieselbe liebenswürdige Schwäche gehabt hätten.
    Herr Roland fing an, die Masse zu vergleichen, gerade wie wir es, bevor er
dazu kam, getan hatten; aber je länger die Vergleichung dauerte, ohne dass ein
Resultat zu Tage kam, je matter wurde das sonnige Lächeln und es war gänzlich in
dem Urwald verschwunden, als er eine Viertelstunde später mit den Zeichnungen in
der Hand zum Maschinenhaus hinaus in das technische Bureau ging, und unter dem
Strohdach hervor mit ärgerlicher Stimme brummte: »Da muss irgend ein Fehler in
den verdammten Zeichnungen sein.«
