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indem sie schnell nach dem Vestibül und hinaus in den Garten eilte ... Ihr war,
als verfolge sie dieser Blick, aus dem eine empörte Seele flammte, und treibe
sie rastlos weiter.
    Als die Familie Ferber beim Abendbrote zusammensass, erzählte der Vater
lebhaft angeregt, dass er heute im Forstause die Bekanntschaft des Herrn von
Walde gemacht habe.
    »Nun, und wie hat er dir gefallen?« fragte seine Frau.
    »Ja, das ist eine Frage, liebes Kind, die ich dir vielleicht erst in einem
Jahre beantworten könnte, vorausgesetzt, dass ich täglich Gelegenheit hätte, mit
dem Gutsherrn zu verkehren, und da fragt es sich noch sehr, ob ich wirklich im
stande sein würde, ein Endurteil zusammenzufassen ... Mir ist der Mann dadurch
interessant geworden, dass man fortwährend angeregt wird, darüber nachzudenken,
ob er das wirklich ist, was er scheint, nämlich eine völlig kalte,
leidenschaftslose Natur ... Er kam zu meinem Bruder, um näheres über den Vorfall
zwischen seinem Verwalter und der armen Taglöhnerswitwe zu hören, weil man ihm
irrigerweise gesagt hatte, dass Sabine die Misshandlung selbst mit angesehen
hätte. Sie wurde hereingerufen und musste erzählen, wie sie die Schneider
gefunden habe. Er fragte nach dem kleinsten Umstande, aber immer kurz, bestimmt.
Welchen Eindruck Sabines Bericht ihm machte, darüber blieb man völlig im
Dunkeln, so undurchdringlich war sein Blick; nicht die leiseste Bewegung in
seinen Zügen verriet die Richtung seiner Gedanken ... Er kommt direkt aus
Spanien. Aus den wenigen Äußerungen, zu denen er sich herabliess, konnte man
entnehmen, dass ihm brieflich durch irgend einen Freund das Unwesen auf seinem
Gute mitgeteilt worden war, worauf er sofort die Rückreise nach Thüringen
angetreten hatte.«
    »Und seine äußere Erscheinung?« fragte Frau Ferber.
    »Gefällt mir, obgleich mir so viel Zurückweisung und Unnahbarkeit in Haltung
und Bewegung fast noch nie bei einem Menschen vorgekommen ist. Ich begreife
vollkommen, dass man ihn für unbegrenzt hochmütig hält, und doch kann ich mir
anderseits wieder nicht einreden, dass hinter den merkwürdig geistvollen
Gesichtszügen ein so törichter Wahn Grund und boden habe. Sein Gesicht hat
stets den Ausdruck kalter Ruhe, dessen ich gedachte; nur zwischen den
Augenbrauen liegt ein, ich möchte sagen, unbewachter Zug; der flüchtige
Beobachter würde ihn höchst wahrscheinlich finster nennen, ich aber finde ihn
melancholisch schwermütig.«
    Elisabet hörte dieser Schilderung nachdenklich zu. Sie hatte bereits die
Erfahrung gemacht, dass jene kalte Ruhe auf Momente bedeutend aus dem Geleise
weichen konnte, und erzählte dem Vater die Szene, deren Zeugin sie gewesen war.
    »Nun, da ist ja das Strafgericht schneller hereingebrochen, als sich denken
ließ,« sagte Ferber.
