 hatte,
soweit sie den Verkauf der beiden andern Güter betrafen, für richtig; aber ein
Entschluss, in solcher Verfassung vollzogen, musste mir immer als ein unheilvoller
erscheinen, und ich wagte nicht, ihn zu billigen, nicht, wider ihn zu sprechen.
Dazu kam das unabweisliche Gefühl, dass Renatus sich in solcher heftigen, in
solcher über das erlaubte Maß hinausgehenden Weise nicht geäußert haben würde,
hätte er einen Andern, hätte er nicht eben mich zur Seite gehabt. Ich glaubte es
zu sehen, dass mein Erschrecken, meine Angst ihm eine Genugtuung bereiteten, ich
hatte in diesen letzten Monaten so viel, ach, so unaussprechlich viel von ihm
ertragen, und keine Sylbe und kein Laut in seiner ganzen Rede dachten meiner!
Ich war nicht mehr für ihn vorhanden!
    Oft, unsäglich oft hatte ich es empfunden, dass ich zu seinem Glücke nicht
mehr nötig sei. Jetzt traf es mich aus seinen Worten wie ein Schlag, und wie
ein Blitz drang die nicht mehr zurückzuweisende Erkenntnis in mein Herz. Er
wollte frei sein, frei vor allen Dingen, frei von dem Worte, das ihn an mich
band! Ich war es, die er fliehen wollte, wenn er zum Regimente ging! Die Liebe,
die er mir geschworen hatte, war der Irrtum, von dem er loszukommen wünschte;
und es kostete ihn nichts, sich von dem Erbe seiner Väter loszureißen, wenn er
sich damit nur von mir zu trennen vermochte.
    Wir waren nahe bei einander. Er war stehen geblieben und sah, an einen der
starken Stämme angelehnt, in den Laubgang hernieder. Dieselbe Sonne beschien uns
noch, dieselben sanften Töne des lockenden Vogelsang berührten noch unser Ohr,
aber es war mir, als hätte sich eine Kluft aufgetan zwischen mir und ihm, und
als träte er fern und ferner von mir zurück. In jedem Augenblicke wollte ich die
Frage tun. Drei, vier Mal versuchte ich es, aber immer fehlte mir dazu das
Wort, und mit jeder Sekunde schien er mir fern und ferner zu treten, wuchs in
mir die Angst, dass mein Ton ihn nicht mehr erreichen könne. Ich war meiner Sinne
fast nicht mächtig. Nur das Einzige fühlte ich noch klar: auch ich musste frei
werden, und wenn auch durch den Wahnsinn oder durch den Tod, von dieser Stunde
martervoller Pein.
    Renatus, fragte ich ihn, und meine eigene Stimme klang mir wie eine fremde,
und die Frage klang mir so fremd, als hätte ich nichts mit ihr zu schaffen,
Renatus, Du sprichst von Deinen Irrtümern, von deren Folgen Du frei zu sein
wünschest? Siehst Du die Liebe, die Du mir geschworen hast, auch als einen
Irrtum an? Willst Du frei sein
