
Antwort und zum Überlegen bedächtig Zeit lassend, sagte er endlich: Gnädiger
Herr, ich habe mich nicht herangedrängt, Ihnen meine Meinung zu sagen; ich habe
gedacht, Sie sollten Sich nur, wie Sie das ja auch getan haben, hier zu Lande
umsehen, denn die Verantwortung, die Unsereiner auf sich nimmt, ist gar zu groß.
Nun Sie hier Bescheid wissen und, wie das in der Ordnung ist, überall selber
herumgehört haben, was von mir geglaubt und gehalten wird, nun sind Sie doch
wenigstens so weit in Ihrem Zutrauen zu mir gekommen, dass Sie meine Stimme zu
vernehmen wünschen. Gerade heraus also, gnädiger Herr, es sind die Spekulanten,
den Steinert und den Tremann an der Spitze, die ihre Augen auf die Güter hier
geworfen haben, das ist das ganze Elend! Sonst hat es noch keine Not, wenn man
nur erst wieder gelassen an die Arbeit gehen kann. Verschuldet sind die Güter,
schwer verschuldet, das ist wahr; wer verlangt denn aber, dass man morgen oder
übermorgen die Schulden abbezahlt? Wer verlangt das anders, als die Spekulanten,
die am liebsten Alles zu Geld und alles Geld in der Welt flüssig machen möchten,
damit es, wie bei Tremann, alljährlich drei, vier Mal durch ihre Hände laufen
und immer etwas davon kleben bleiben kann? Im Gutsbesitz, im Landbesitz ist es
just das stricte Gegenteil. Da will Alles seine Zeit und seine Ruhe haben. Und
wenn Sie, gnädiger Herr, mir ganz allein vertrauen und Sich auf mich allein
verlassen wollten, so sollten Sie erleben, ob ich mich auf mein Fach verstehe
und ob ich meines Herrn Vorteil mit meiner alten Wirtschaftsmanier nicht
besser wahrzunehmen weiß, als die Anderen mit all ihren neuen Künsten.
    Der Amtmann gab dem Freiherrn zu bedenken, wie leicht es die Steinert, seine
Vorgänger im Amte, während der langen Friedensjahre gehabt hätten, die dem
siebenjährigen Kriege gefolgt waren, und unter wie ungünstigen Umständen er die
Verwaltung übernommen habe. Er wies den unverhältnissmässigen Geldverbrauch des
Freiherrn Franz nach, er erinnerte an die furchtbaren Kriege und Kriegszüge, an
den allgemeinen Notstand, an die Aufhebung der Leibeigenschaft, um zu erklären,
wie unmöglich es bisher für ihn gewesen sei, an irgend eine Verbesserung auf den
Gütern, oder gar an die Erzielung von Überschüssen zur Schuldentilgung denken
zu können. Nun, sagte er, sei noch der völlige Misswachs des vorigen Jahres dazu
gekommen, in welchem man das eigene Vieh zu schlachten versucht gewesen sei,
weil man nicht gewusst habe, wie man es ernähren solle, und trotzdem habe er in
diesem Jahre am ersten Quartale allen Verpflichtungen genügen können, die auf
den Gütern und auf dem gnädigen Herrn persönlich gehaftet hätten.
    Sehen Sie,
