, jene Überzeugung von der eigenen
Bedeutung, welche rücksichtslose Selbsterhaltung und Selbstbefriedigung als ihr
angeborenes Recht betrachtet. Er meinte seines Vaters Geist in sich zu fühlen,
und er gelobte sich, in diesem Geiste auch zu handeln. Er durfte, er wollte sich
von dem Boden nicht trennen, aus dem er ihm erwuchs. Nur mit Hildegard musste er
zu einem Abschlusse, einem Ende gelangen!
    Er war eben von seinem Spaziergange mit Cäcilien heimgekommen, als man ihm
den Amtmann meldete. Die Jahre hatten diesen wenig angefochten. Er war jetzt
allerdings auch kein junger Mann mehr, aber er sah besser aus, als in früheren
Zeiten, denn er war stark geworden und blickte selbstzufrieden und behaglich
lächelnd um sich her. Nur aus den kleinen, grauen Augen, deren schwere Lider
sich beinahe schlossen, wenn er den Mund zur Freundlichkeit verzog, schoss hier
und da ein Ausdruck achtsamer Schlauheit unheimlich hervor, der sonderbar gegen
das offene Wesen abstach, dessen der Amtmann sich sonst befleissigte und rühmte.
    Demütig und doch nicht ohne Zuversicht trat er bei dem Freiherrn ein. Er
sagte, dass er gekommen sei, die Befehle und die letztlichen Entschließungen des
gnädigen Herrn zu vernehmen, und er hoffe, dass diese nicht zu seinem Schaden
sein würden. Die Herren von Arten hätten ja treue Dienste immer zu würdigen
verstanden, und so werde denn ja auch der jetzige Freiherr wohl das Gleiche an
ihm tun.
    Renatus hatte den Amtmann seine Anrede ruhig vollenden lassen. Dann nötigte
er ihn, sich zu setzen, und ohne ihm irgend eine Anerkennung auszusprechen oder
ihn zu einer Hoffnung zu ermutigen, blieb er selber, den Arm auf die Lehne
seines hohen Schreibtisches gestützt, vor dem Sitzenden stehen, so dass er auf
ihn herniedersah. Er genoss in diesem Augenblicke das Bewusstsein seiner
Herrschaft, er wollte sie den Amtmann auch empfinden lassen, und erst nach
längerem Schweigen sagte er mit jener nur auf das eigene Interesse gerichteten
Weise, in welcher die Fürsten gegen ihre Untertanen, die Besitzenden gegen die
Nichtbesitzenden in der Regel Meister sind, und welche sie oft sogar verhindert,
sich die Zeit zu nehmen, dem Angeredeten auch nur die Ehre seiner Namensnennung
zu gewähren: Ich höre aus Ihren Worten, dass Sie die Ansichten kennen, welche
mein Bevollmächtigter, der Kaufmann Tremann, in Bezug auf diese Güter hegt, und
ich lasse es vorläufig dahingestellt sein, in wie weit er mit denselben Recht
hat. Ich war bei meiner Ankunft allerdings der Meinung, dass ich hier
durchgreifende Veränderungen machen müsste, indes ich mag nichts übereilen, und
da, wie Sie richtig bemerken, wir in unserem Hause es nicht lieben, unsere
Beamten und Diener oft zu wechseln, so wäre ich in gewissem Sinne nicht
abgeneigt, auch mit Ihnen
