, bei der Seltenheit des Geldes, eben mit Geld, wie Paul es seinem
Freunde auseinander gesetzt hatte, mehr als sonst zu machen und zu leisten war.
Auch schwankte er einen Augenblick, was er beginnen sollte.
    Wollte er sich das Leben erleichtern und sich bescheiden, so musste er auf
seine großen Plane für lange, ja, wahrscheinlich für immerdar verzichten; denn
was jetzt noch möglich war, konnte nach wenig Monaten schon weit schwerer, nach
Jahren völlig unausführbar sein. Er musste sich damit begnügen, langsamer für
sich und die Seinigen ein mehr oder weniger ausreichendes Einkommen zu schaffen
und, im engeren Handelsverkehre ein nützliches Mitglied, sich nur in kleinerem
Kreise bewegen; oder er musste, was er von eigenem Vermögen noch besaß,
darangeben, seine Zahlungsfähigkeit in auffälliger Weise bei der Regulirung des
Flies'schen Vermögens dazutun und, den daraus entspringenden Kredit benutzend,
seine ganze Kraft aufbieten, um mit den fremden Kapitalien so viel zu erwerben,
dass er den Darleihern ihr Darlehen wohl verzinsen, durch den Gewinn-Überschuss
sich ein neues, eigenes Vermögen schaffen und sich wieder in die Höhe bringen
konnte; und er stand nicht lange an, welchen Weg er einzuschlagen habe.
    Er hatte mit seinem väterlichen Blute die Neigung zu herrschen ererbt, aber
auch von dem dienstbaren Sinne seines mütterlichen Geschlechtes war viel auf ihn
übergegangen, und eben deshalb fand er in dem von ihm gewählten Berufe auch
jetzt wieder seine vollkommenste Befriedigung. Denn keinem anderen Stande ist es
wie dem Kaufmanne gegeben, eine große Herrschaft auszuüben und weithin in die
Ferne und in die Zukunft wirksam und bestimmend einzugreifen, während er sich
für Andere nützlich macht. Paul hatte sich in dem großen amerikanischen Hause,
in welchem er gearbeitet hatte, früh daran gewöhnt, die Bedürfnisse und
Aussichten der ganzen Welt in das Auge zu fassen; die Jahre vor dem Kriege
hatten ihn in Europa mit verschiedenen Männern bekannt gemacht, welche als
Diplomaten die Vermittlung und Ausgleichung zwischen den verschiedenen Völkern
und den verschiedenen Fürsten zu ihrer Aufgabe hatten, und sein von Natur auf
das Große gerichteter Sinn hatte dadurch den Überblick und die Verbindungskraft
gewonnen, die zu durchschauen vermochten, wie und wo der Vorteil Aller Vorteil
für den Einzelnen verspricht, und wie der Einzelne es anzufangen habe, der
Gesammteit zu dienen, indem er seinen eigenen Vorteil und Nutzen wahrnimmt.
    Überall war in Europa Geld notwendig. Man brauchte Geld, um die aus Mangel
an Bestellungen wie aus Mangel an Arbeitskräften während des Krieges in's
Stocken geratenen Fabriken wieder in Gang zu bringen; man brauchte Geld, um das
Inventarium auf den zum Teil völlig ausgeraubten Gütern zu erneuern, man
brauchte Geld an allen Ecken und Enden; und Geld zu schaffen, den Regierungen
wie den Privatpersonen Geld zu
