 diese ansah, begann sie plötzlich: »Sie haben jetzt etwas
von uns kennen gelernt, wie sind Sie mit uns zufrieden?«
    »Man ist mir sehr freundlich entgegengekommen,« erwiderte der Professor,
»das tut dem Selbstgefühl wohl, mir macht Freude ein Tagesleben zu sehen, das
von dem meines Kreises abweicht, und Menschen, welche anders geformt sind.«
    »Und worin finden Sie uns anders geformt?« frug die Prinzessin
angelegentlich.
    »Die Gewöhnung, sich in jedem Augenblick schicklich darzustellen und unter
Andern seine Stellung zu behaupten, gibt den Personen eine leichte Sicherheit,
welche sehr wohltuend wirkt.«
    »Das wäre ein Vorzug, den wir mit jedem erträglichen Schauspieler teilen,«
versetzte die Prinzessin.
    »In jedem Fall ist es ein Vorteil, immer dieselbe Rolle zu spielen.«
    »Sie meinen, es ist deshalb keine Kunst, wenn wir Gewandtheit erwerben und
unsere Sache besser machen,« fiel die Prinzessin lächelnd ein, »aber darin liegt
anch eine Gefahr, wir werden von klein so sehr daran gewöhnt, uns angemessen zu
erweisen, dass unsere Aufrichtigkeit zuweilen in Gefahr kommt, wir beobachten die
Wirkung unserer Worte, und wir denken leicht mehr an die gute Wirkung als den
wahrhaften Inhalt der Reden. Ich selbst, während ich mit Ihnen spreche, bemerke
mit Vergnügen, wie ich Ihnen gefalle, ich bin auch nichts weiter als eine arme
Prinzessin. Aber wenn Ihnen an uns die Meisterschaft im Darstellen der eigenen
Person gefällt, uns zieht ebensosehr ein Wesen an, das sicher in sich ruht, ohne
auf Wirkung zu achten, und wir finden vielleicht Mängel in der Form, einen
kräftigen Ausdruck und dergleichen gerade anziehend, immer vorausgesetzt, dass
man uns nicht verletzt, denn darin sind wir empfindlich. Wer uns auf die Dauer
gefallen will, der tut gut, unsere Ansprüche jeden Augenblick zu schonen. Ich
will nicht, dass Sie mich so behandeln,« unterbrach sie sich, »aber ich denke
dabei doch an Sie. Gestern hörte ich, wie Sie dem Fürsten geradezu
widersprachen. Bitte, schonen Sie unsere Schwäche, ich möchte, dass Sie sich
recht lange bei uns gefielen.«
    Der Professor verneigte sich. »Wenn ich im Widerspruch wärmer wurde als
nötig war, so bin ich einer Versuchung unterlegen, welche Männern meines
Berufes gefährlich wird. Disputiren ist die Schwäche der Gelehrten.«
    »Gut, wir rechnen mit unseren Eigenheiten gegeneinander ab. Sie aber sind in
der glücklichen Lage, stets frischweg anzugreifen, wir immer in der
entgegengesetzten, uns vorsichtig zu verteidigen. Die große Sorge, welche uns
von Jugend auf jeden Augenblick am Kleide zieht, ist die, dass wir uns nichts
vergeben. Bei Ihnen streitet man sich wahrscheinlich selten
