 unsern Freund führte, mitgehen, wenngleich es sehr respektable und
anständige, in jeder Beziehung anständige Wege waren. Nicht nur durch Kneipen
und Konditoreien führte den Theologen der Kriegsmann. Er schleifte ihn durch das
Arsenal und verschiedene Waffensammlungen, ließ aber mit Verachtung freilich die
Bibliothek zur Seite liegen. Dagegen schien er sehr gern bunte Bilder in den
Fenstern der Kunstläden sowie in den Museen zu sehen und entwickelte dabei die
eigentümlichsten Kunstansichten. Die antiken Bildsäulen erklärte er für
prachtvolle Kreaturen und »ganz außerordentlich dienstfähig«, führte jedoch im
Grunde seinen Begleiter nur deshalb in die Galerie der Skulpturwerke, um ihm ein
ziemlich unanständiges Basrelief zu zeigen, auf welches ihn selber höchst
frivolerweise der Herr Oberst von Bullau aufmerksam gemacht hatte.
    Verschiedene Genüsse hatten und verschiedene Fährlichkeiten bestanden die
zwei Herumtreiber den Tag über. In einen Streit mit einem in ungewöhnlicher
Weise jähzornigen Droschkenkutscher geriet der Leutnant eigentlich durch seine
eigene Schuld, rief aber auch nicht die Polizei zu Hilfe, sondern machte zuletzt
sogar gemeinschaftliche Sache mit dem Droschkenkutscher gegen die Polizei. Der
Leutnant Götz hielt es nicht unter seiner Würde, in einem sehr tiefen, sehr
dunkeln und sehr feuchten Viktualienkeller einen Bittern mit dem
Droschkenkutscher zu trinken, während die Polizei grimmig von der Straße in das
Loch hinabsah und den armen Hans als das ihr verdächtigste Subjekt von den
beiden Bauernfängern scharf ins Auge nahm.
    Am Abend fand sich Hans Unwirrsch, wirbelig von allen Erlebnissen des Tages,
plötzlich wieder im Grünen Baum vor einem nahrhaften Abendessen. Den fröhlichen
Herrn fand er aber glücklicherweise nicht und durfte somit das Seinige in
Frieden genießen.
    Nach dem Abendessen erklärte der Leutnant, dass er nunmehr bereit sei, seinen
Schützling in - die Oper zu führen, und sämtliche anwesende Neuntöter erklärten
diese »Idee« für sehr unzurechnungsfähig und sehr lächerlich. Der Leutnant
führte jedoch seinen Kandidaten ohne weitere Diskussion der Frage aus dem
trauten Nest der biederen Vögel hinweg, und letztere entliessen das »bunte und
schwarze Tuch« mit einer knatternden Abschiedssalve der bemerkenswertesten
Bemerkungen und der anzüglichsten Anzüglichkeiten.
    Don Juan! - - - Wenn der Mensch mit Mühe und Not in dunkeln, engen Straßen,
hinter wackelnden Tischen in Kälte und Hunger, großem Hunger, aufgewachsen ist,
und es endlich - endlich zum Kandidaten der Theologie gebracht hat, wenn der
Mensch dazu noch gar Johannes Unwirrsch heißt und soviel im Innern und sowenig
nach außen hin erlebt hat, dann ist es ein merkwürdig Ding, wenn er, zum
erstenmal in ein großes Schauspielhaus tretend, sich diesem Bruchstück
menschlicher Unsterblichkeit gegenüberfindet.
    Der prächtige Saal, die Menschen, die Lichter berauschten den Theologen
mehr, als das der Wein am vergangenen Abend vermochte. Wie war es möglich, dass
solch ein reiches, farbenprächtiges Leben rauschen konnte, ohne dass Tausende,
Hunderttausende,
