 porta del popolo und dem
großartigen Park zu, den der Fürst Borghese dem Publikum geöffnet hat. Seit
jenem traurigen Gespräch am ersten Morgen ihrer Anwesenheit in Rom war Korona
nur auf Augenblicke mit Orest allein gewesen, da er jedes besondere Gespräch mit
ihr vermied. Aber die Erinnerung an jenen Morgen war so lebhaft in ihr, dass ihr
Herz unwillkürlich erhebte bei dem Gedanken, dies könne vielleicht dessen
Fortsetzung sein. Sie faltete ihre Hände unter der Mantille und bat um den
Beistand des heiligen Geistes, dass er sie stark zum Hören und sanft zum Reden
machen möge. Sie harrte schweigend auf das, was ihr Mann ihr sagen werde. Er sah
finster aus und wurde es noch mehr, als er anhub:
    »Bei Deiner Ankunft in Rom hab' ich Dich gebeten, Korona, mir behilflich zu
sein, unsere Ehe für null und nichtig erklären zu lassen, indem ich
voraussetzte, es müsse dem weiblichen Zartgefühl willkommen sein, aus einem
Verhältnis herauszutreten, in welchem zwei Herzen keine Befriedigung finden. Ich
habe mich aber in dieser Voraussetzung getäuscht. Dadurch hast Du mich zu einer
anderen Maßregel gezwungen. Damals bat ich um Deine Zustimmung, Deine
Mitwirkung; jetzt zeig ich Dir nun meinen Entschluss an. Ich werde mich einem
protestantischen Bekenntnis anschließen. Da sind Ehescheidungen nichts seltenes,
weil man nicht die wahnwitzige katholische Idee hat, aus dem Ehebund ein
unauflösliches Sakrament zu machen. Man betrachtet ihn als einen bürgerlichen
Vertrag, der seine Gültigkeit verliert, wenn die Herzen erkalten, und man kann
sich ohne Umstände zwei-, dreimal wieder verheiraten. Übrigens sind ja die
Protestanten ebensogut Christen wie die Katholiken und so steht mein Entschluss
unwiderruflich fest: ich werde protestantisch, verlange die Ehescheidung und
heirate Judit Miranes, die aus ihrem jüdischen Glauben oder Unglauben zum
Christentum übertritt. Auf diese Weise ordnet sich alles und drei Menschen - Du
selbst bist mit einbegriffen - finden ihren Frieden und ihr Glück.«
    Orest sprach mit eisiger Ruhe, wie jemand, der entschlossen ist, sich mit
seinem Gewissen abzufinden. Das fühlte Korona. Ihr Schmerz war zu groß, um Worte
oder Tränen zu finden: Orest wollte seinen Fall durch seinen Abfall krönen und
besiegeln! es war unmöglich, tiefer zu sinken, unmöglich, mit der Leidenschaft
einen höheren Götzendienst zu treiben.
    »Du bist überrascht, wie es scheint,« nahm er nach einer Pause das Wort;
»denn Du kennst die Liebe nicht! Du hast keine Ahnung, mit welcher Gewalt sie
den Menschen ergreift und antreibt, all' die Schranken von Menschenmachwerk zu
durchbrechen. Ich kann nicht anders, ich habe jahrelang gekämpft und gelitten!
ich halte das nicht mehr aus. Einen anderen Ausweg finde ich nicht - ich wende
mich dahin, wo
