 und betete eine Art Hexensegen über ihr
Gebräu.
    Damals eben erzählte man sich viel von Zauberei und Hexenmacht, besonders in
den angrenzenden Ländern, wie kluge Frauen allerlei Künste erlernen und üben
könnten, durch welche sie über Menschen und Tiere Macht erhielten, die ihnen
entweder zum Guten oder Bösen dienten, je nachdem man es beabsichtige oder auch
die Kunst verstände. Man verkündete und glaubte davon die fabelhaftesten Dinge.
Zwar knüpften sich daran weitere schreckliche Geschichten und Erklärungen. Jene
geheimen Künste sollten nur durch einen Pakt mit dem Teufel erlangt werden
können, und dieser jetzt weit öfterer als je auf Erden erscheinen, entweder
Einzelnen zur Nachtzeit in ihren Kammern, oder an Kreuzwegen und unter alten
Bäumen, oder, was eine von ihm sehr beliebte Stätte zu sein schien, auf den
Düngerhaufen der Gehöfte, wo er die sich ihm Verschreibenden mit Jauche taufte -
oder auch auf hohen Bergen oder freien Feldern mit einer ganzen höllischen
Genossenschaft und allen Nahewohnenden, die sich ihm ergeben wollten, zur
Veranstaltung von Hexentänzen und scheußlichen Orgien. Bald zogen die
geistlichen Gerichte dieses Unwesen vor ihren Stuhl; aber anstatt durch
Aufklärung und Belehrung dem dämonischen Hange der menschlichen Natur entgegen
zu wirken, bestärkte man denselben durch Nähren des Aberglaubens, indem man
alles nicht gleich Erklärliche zu einem Übernatürlichen stempelte. Daran
knüpfte sich eine schauderhafte Verfolgungssucht, welche nicht nur ganz
Unschuldige und nur böswillig von feindlich gesinnten Personen Angeklagte den
grässlichsten Martern und dem schrecklichsten Tode unterwarf, sondern auch
Schuldige machte. Denn da es bald als Leichtsinn, bald als Gotteslästerei galt,
die Möglichkeit solcher Zaubereien und Teufelspakte zu leugnen, wiewohl im
aufgeklärten Nürnberg die Sache wenig Anklang fand, so bemächtigte sich
besonders zuerst der unwissenden niederen Klasse der Glaube daran, und dazu kam
der Reiz der Neugier und der Verführung durch eigene Gelüste, die Sache doch
auch zu versuchen und zu sehen, was sich durch Zaubersprüche, Hexensalben und
Getränke erzielen lasse - wenn es auch nicht gleich so weit ging, die
persönliche Erscheinung und Hilfe des Teufels in Anspruch zu nehmen, oder sich
ihm mit Gut und Blut zu verschreiben.
    Zu Denen, welche am begierigsten waren dergleichen Dinge zu versuchen,
gehörte die alte Jacobea; und sie konnte es um so kühner versuchen, als man in
Nürnberg noch keinem Menschen den Prozess als Hexe gemacht hatte und sie hoffen
durfte, dass sie Dies oder Jenes durch ihre Zaubermittel werde bewerkstelligen
können, ohne deshalb in den Verdacht der Hexerei zu kommen.
    Jetzt eben braute sie aus allerlei Giftwurzeln und tierischen Eingeweiden
unter Absingung des Hexensegens ein Pulver, von dessen kleinsten Teilen sie
sich eine langsam, aber sicher tödtende Wirkung versprach.
    Von draußen schlug niederströmender Regen an das kleine trübe Fenster, und
da es schon ziemlich dunkel war, bemerkte Jacobea um so weniger,
