. Es waren zwei einfache Wohnzimmer eines allerdings
neugebauten massiven Hauses, aber mit einem Komfort ausgestattet, der alle
Spuren trug vorzugsweise vom nahen Westerhof und vom Stifte Heiligenkreuz. Die
Namen Paula, Benigna, Armgart glänzten unter allen, die der alte Tübbicke als
die Stifterinnen dieser Herrlichkeiten nannte ... Norbert Müllenhoff stand mit
scheuer Spannung in der Nähe. Er hatte die ihm eigentümlich derbe Kourage mehr
nur nach unten hin; nach obenhin nur dann, wenn er der Masse gegenüberstand ...
ein einzelnes gesticktes Damentaschentuch mit dem Geruch von Esbouquet konnte
ihn nicht bloß im Salon, sondern sogar im Beichtstuhl stutzig machen.
    In diesem Müllenhoff fand sich Bonaventura bald zurecht. Es war die
Richtung, die Michahelles auch bei ihm vorausgesetzt hatte, die neue Richtung
einer fast burschikosen Verachtung alles dessen, was mit Bildung und Aufklärung
verbunden ist. Müllenhoff's jeweiliges grelles Auflachen, wenn er einen seiner
Einfälle selbst doch auch allzu schlagend fand, charakterisirte ihn sofort; denn
nichts charakterisirt uns mehr, als die Art, wie wir lachen. Hier fehlte selbst
die Koketterie, die doch Beda Hunnius noch mit der Poesie trieb. Diese
jungkatolische Richtung renommirt mit der Verachtung jeder Beziehung ihrer
täglichen Denk-, Rede- und Tätigkeitsweise mit dem, was dem Geist der
Aufklärung angehört. Gleich die Frühstücksbutter, die seine Aufwärterin zu einem
zweiten Frühstück für ihn und seinen Gast hereinbrachte, schob Müllenhoff mit
den Worten zurück: »Nehm' Sie die Butter mit! Ganz frische soll's sein! Die da
riecht - toleranzig!«
    Schon bei diesem Frühstück erschienen die zuvorkommenden Besuche des Herrn
Levinus von Hülleshoven, des Herrn von Terschka, des Grafen Münnich und immer
mehr zunehmend einer Anzahl von Adeligen und Geistlichen, die sämtlich in
stattlichen Kutschen kamen ... Selbst die drei ältesten Stiftsdamen von
Heiligenkreuz fuhren vor ... So schnell hatte sich die Kunde von des jungen
Domherrn endlicher Ankunft verbreitet. Die Räumlichkeit wurde fast zu klein; die
Gäste, die den Längstersehnten begrüßen wollten, konnten nur eine kurze Weile
bleiben.
    Über die Zeit sprach man, über den Kirchenfürsten. Durch alles, was
Bonaventura von Äußerungen eines erschreckenden Fanatismus vernahm, tönte wie
ein Grundaccord immer der gottbegnadete Zustand Paula's hindurch. Selbst die
Erbfolgefrage verschwand dagegen. Es fielen Fragen, wie die: Ob die Gräfin
kürzlich nicht wieder »die Besuche ihres göttlichen Bräutigams« empfangen hätte?
dabei beobachtete man nicht nur die Mienen des antwortenden Onkel Levinus,
sondern schon das Erröten des Domherrn. Man hatte von Bonaventura die
Vorstellung eines Fanatikers, eines parteinehmenden Zeloten, der, wie
Michahelles angedeutet hatte, seine bereits allen bekannte seelische Beziehung
zur Ekstatischen zu einem noch festern Seelenbunde knüpfen, die noch unbestimmt
tastende Gefühls- und Anschauungswelt derselben
