 ihr der Vater, sah ihre Aufregung, traf Terschka, noch mit dem
Kruzifix, das er unaufhörlich küsste, in der Hand, schleuderte ihm einige
Verwünschungen zu und wies ihm die Tür ...
    Terschka erhob sich von der Erde, auf der er gekniet hatte, schwankte eine
Weile, taumelte unentschlossen, maß den Obersten, halb als ob er an seinem Halse
sich ausweinen, halb - als ob er ihn töten wollte ... Und als dieser wiederholt
rief: Sie sind ein unverbesserlicher Abenteurer! Man weiß alles von Ihnen! Sie
sind unter Räubern erzogen, Sie sind ein Kunstreiter - noch haben Sie nicht
aufgehört den Jesuiten zu dienen! Die Brüder Bandiera sind durch Sie verraten
worden - durch einen gewissen Jan Picard - ha, kennen Sie den Namen -? - da
erblasste Terschka, erhob sich lautlos und verschwand - ...
    Allgemein glaubte man, er säße in Genf im Schuldgefängniss ... Seine Sucht,
sich in den vornehmsten Kreisen zu bewegen, Kavalier zu sein, Matador der
Gesellschaft, hatte ihn in nicht endende Verlegenheiten gestürzt ... Nach und
nach aber verbreiteten sich Gerüchte, er wäre in den Kanton Freiburg gegangen
und hätte sich dort reuig in das dortige, damals allgewaltige Kollegium der
Jesuiten zurückbegeben ... Die Strafen, die ihn in diesem Fall dort erwarteten,
mussten, wenn er nicht schon früher Verzeihung gefunden, furchtbare sein -
deshalb wurde auch von andern die Möglichkeit eines so gewagten Entschlusses
bezweifelt ...
    Auf Schloss Bex stellte sich der Friede wieder her und die Gegensätze
versöhnten sich in der einstimmigen Verwerfung eines sittlich Haltungslosen, an
den man vergebens Milde, Langmut, Wohltaten verschwendet hätte ... Die
Schulden, die Terschka beim Obersten nicht getilgt hatte, konnten als Vorwand
dienen, in Freiburg nach ihm Erkundigungen einzuziehen .... Man gab dort eine
kaltausweichende Antwort ... Der Übermut der im Steigen begriffenen klerikalen
Partei hatte gerade damals, in der von Bürgerkämpfen zerrissenen Schweiz, den
höchsten Grad erreicht ...
    Aber nur noch eine kurze Weile und es schlug die Stunde einer großen
Bewegung ...
    Jener dreifachgekrönte arme leidende Mann mit dem tücherumwundenen Antlitz
auf dem apostolischen Stuhl hatte seinen letzten Seufzer ausgehaucht, wie ihn
die Stellvertreter Christi aushauchen - einsam, verlassen, in den schauerlich
öden Marmorsälen des Vaticans ein dem Reiz nach Neuem allzulang verweilender
Gast ... Draußen eine unruhige, großer Umänderungen harrende Menge, die die neue
Bescherung, das beginnende Konclave und den Namen und die Person eines neuen
Trägers der Himmelsschlüssel erwartet ... Der Sterbende ist dann nur noch eine
leere Hilfe ... Nur noch einige geringe Würdenträger bleiben bei ihm, die auf
den Augenblick harren, wo ihnen gewisse Functionen für den
