 günstiges Verlaufen aller dieser Gefahren hoffend, warf sie schon
voll Übermut auf ihrem Zimmer ihr Brevier hin, wie - die Schöne, die vom Ball
kommt, ihren Fächer, hinter dem sie eine Eroberung machte ...
    Zur Wiederbegegnung mit Bonaventura und Paula interessierte sie sogar der mit
Cherubimköpfen umrahmte Spiegel ...
    Sie fand aber ihr Aussehen doch noch zu angegriffen, als dass sie schon heute
diese Szene wagen sollte.
 
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Auch diesen beiden aus Witoborn zurückkehrenden Damen war im Vorüberfahren ein
Gruß gespendet worden aus dem von Westerhof schon wieder heimkehrenden Wägelchen
jenes gewissen Mannes im blauen Mantel mit dem schwarzen Pudelkragen ...
    Löb Seligmann grüßte in der allerglückseligsten Laune ...
    Hatte er auch in verschiedenen Spiegeln der Gegend, die er im Lauf dieses
Winters und vor dem Frühjahr nicht mehr verließ, beim Rasiren seines Barts, beim
Kämmen und Ansingen seines wolligen Haares eine nicht gewöhnliche Anzahl von
grauen Löckchen bemerkt; doch kamen sie nur als ein zufälliger Tribut an seine
Jahre, nicht als Folge von Kummer und Sorge ...
    In der von so mannichfachen Aengsten und Bedrängnissen erfüllten Sphäre, die
wir schildern, war er die zufriedenste, frohste, vielleicht die einzige »gesunde
Natur«, wenn nicht am Körper doch an der Seele ...
    Das Vertrauen, das ihm zuerst Terschka schenkte, das sich dann dem ganzen
Adel der Gegend mitteilte, gab ihm einen Schwung, der nur von jener ihm
manchmal eigenen Rührung über sich selbst gemildert wurde ...
    Aber sogar diese Anwandelungen der Wehmut wie sonst beim Hinblick auf
Kocher am Fall, auf den Korb der Hasen-Jette, auf die schwachen Beine David's,
auf die Blüte des Ghetto, Veilchen, die unter der Geldgier seines so
unpoetischen und ihm unähnlichen Bruders Nathan schmachtete, kamen ihm jetzt
seltener. Nur der hierortige Mangel an Opernmusik, die sonst seiner Seele ein so
notwendiges Labsal war, war eine Lücke in seinem Dasein. Von der classischen
Anmut der Arie: »Ha, das Gold ist nur Chimäre!« war er musikalisch tief
überzeugt - die Textesworte unterschrieb er bei seinen gegenwärtigen glänzenden
Einnahmen weniger - aber er musste sie sich allein trällern.
    Die Eroberung dieses gewissenhaften Kenners der Ackerkrume, der
Ertragsfähigkeit der Güter, der einschmeichelnden Überredungskünste bald beim
Bauer, bald beim Edelmann verdankte Terschka dem Vormittag auf der Villa des
Herrn Bernhard Fuld in Drusenheim. Er ließ ihn nach Witoborn kommen und
»schlachtete«, wie der Kunstausdruck lautet, bereits im voraus die Güter des
Grafen Hugo ein, noch ehe die Übergabe in allen Formen erfolgt war. In Terschka
hafteten aus den Lebenssphären seiner frühesten Kindheit andere Eindrücke vom
Judentum, als er sie durch Löb Seligmann empfing. Heium Picard und - Löb
Seligmann! ..
