 wie zum Beispiele an
gewissen Steinen, die durch Wasser bräunlich, ja beinahe rot werden; oder es
waren Farben angewendet, um dem Ganzen einen Ton der Wirklichkeit und
Zusammenstimmung zu geben; oder endlich, es waren einzelne sehr kleine Stellen
mit Farben, gleichsam mit Farbdruckern, wie man sich ausdrückt, bezeichnet, um
Flächen oder Körper oder ganze Abteilungen im Raume zurück zu drängen. Immer
aber waren die Farben so untergeordnet gehalten, dass die Zeichnungen nicht in
Gemälde übergingen, sondern Zeichnungen blieben, die durch die Farbe nur noch
mehr gehoben wurden. Ich kannte diese Verfahrungsweise sehr gut, und hatte sie
selber oft angewendet.
    Was den Wert der Zeichnungen anbelangt, so erschien mir derselbe ein
ziemlich bedeutender. Die Hand, von der sie verfertigt worden waren, hielt ich
für eine geübte, was ich daraus schloss, dass in den vielen Zeichnungen kein
Fortschritt zu bemerken war, sondern dass dieser schon in der Zeit vor den
Zeichnungen lag und hier angewendet wurde. Die Linien waren rein und sicher
gezogen, das sogenannte Linearperspektive war, so weit meine Augen urteilen
konnten - denn eine matematische Prüfung konnte ich nicht anlegen - richtig,
der Stoff des Schwarzstiftes war gut beherrscht, und mit seinen geringen Mitteln
war Haushaltung getroffen, darum standen die Körper klar da und lösten sich von
der Umgebung. Wo die Farbe eine Art Wirklichkeit angenommen hatte, war sie mit
Gegenständlichkeit und Maß hingesetzt, was, wie ich aus Erfahrung wusste, so
schwer zu finden ist, dass die Dinge als Dinge, nicht als Färbungen gelten. Dies
ist besonders bei Gegenständen der Fall, die minder entschiedene Farben haben,
wie Steine, Gemäuer und dergleichen, während Dinge von deutlichen Farben
leichter zu behandeln sind, wie Blumen, Schmetterlinge, selbst manche Vögel.
    Eine besondere Tatsache aber fiel mir bei Betrachtung dieser Zeichnungen
auf. Bei den Bauverzierungen, welche von Gegenständen der Natur genommen waren,
von Pflanzen oder selbst von Tieren, kamen bedeutende Fehler vor, ja es kamen
sogar Unmöglichkeiten vor, die kaum ein Anfänger macht, sobald er nur die
Pflanze gut betrachtet. Bei den ganz gleichen Verzierungen an andern Bauwerken,
in andern Zeichnungen, waren diese Fehler nicht da, sondern die Verzierungen
waren in Hinsicht ihrer Urbilder in der Natur mit Richtigkeit angegeben. Ich
hatte, da ich einmal zeichnete, öfter die Bilder meines Vaters betrachtet, und
in ihnen, selbst in solchen, die er für sehr gut hielt, ähnliche Fehler
gefunden. Da die Bilder meines Vaters aus alter Zeit waren, diese Zeichnungen
aber auch alte Bauwerke darstellten, so schloss ich, dass sie vielleicht Abrisse
von wirklichen Bauten seien, und dass die Fehler in den Zieraten der Zeichnungen
Fehler in den wirklichen Zieraten der Bauarten seien, und dass die Zieraten
