 eines Berges sah, oder eine Hügelreihe sich türmender
Wolken, oder die blauen Augen eines freundlichen Landmädchens, oder den
schlanken Körper eines Jünglings auf einem schönen Pferde - oder wenn ich auch
nur in meinem Zimmer vor meinen Gemälden stand, deren ich damals schon manche
sammelte, oder vor einer kleinen Bildsäule: so verbreitete sich eine Ruhe und
ein Wohlbehagen über mein Inneres, als wäre es in seine Ordnung gerückt worden.
Wenn ein künstlerisches Gestaltungsvermögen in mir war, so war es das eines
Baumeisters oder eines Bildhauers oder auch noch das eines Malers, gewiss aber
nicht das eines Dichters oder gar eines Tonsetzers. Die ersteren Gegenstände
zogen mich immer mehr an, die letzteren standen mir ferner. Wenn es aber mehr
eine Kunstliebe war, was sich in mir äußerte, nicht eine Schöpfungskraft, so war
es immerhin auch ein Vermögen der Gestalten, aber nur eines, die Gestalten
aufzunehmen. Wenn diese Art von Eigentümlichkeit den Besitzer zunächst beglückt,
wie ja jede Kraft, selbst die Schaffungskraft, zuerst ihres Besitzers willen da
ist, so bezieht sie sich doch auch auf andere Menschen, wie in zweiter Hinsicht
jede Kraft, selbst die eigenste eines Menschen, nicht in ihm verschlossen
bleiben kann, sondern auf andere übergeht. Es ist eine sehr falsche Behauptung,
die man aber oft hört, dass jedes große Kunstwerk auf seine Zeit eine große
Wirkung hervorbringen müsse, dass ferner das Werk, welches eine große Wirkung
hervor bringt, auch ein großes Kunstwerk sei, und dass dort, wo bei einem Werke
die Wirkung ausbleibt, von einer Kunst nicht geredet werden kann. Wenn irgend
ein Teil der Menschheit, ein Volk rein und gesund am Leibe und an der Seele ist,
wenn seine Kräfte gleichmäßig entwickelt, nicht aber nach einer Seite
unverhältnismässig angespannt und tätig sind, so nimmt dieses Volk ein reines und
wahres Kunstwerk treu und warm in sein Herz auf, wozu es keiner Gelehrsamkeit,
sondern nur seiner schlichten Kräfte bedarf, die das Werk als ein ihnen
Gleichartiges aufnehmen und hegen. Wenn aber die Begabungen eines Volkes, und
seien sie noch so hoch, nach einer Richtung hin in weiten Räumen voraus eilen,
wenn sie gar auf bloße Sinneslust oder auf Laster gerichtet sind, so müssen die
Werke, welche eine große Wirkung hervor bringen sollen, auf jene Richtung, in
der die Kräfte vorzugsweise tätig sind, hinzielen, oder sie müssen Sinneslust
und Laster darstellen. Reine Werke sind einem solchen Volke ein Fremdes, es
wendet sich von ihnen. Daher rührt die Erscheinung, dass edle Werke der Kunst ein
Zeitalter rühren und begeistern können, und dass dann ein Volk kommt, dem sie
nicht mehr sprechen. Sie verhüllen ihr Haupt, und harren, bis andere
Geschlechter an ihnen vorüber wandeln, die wieder reines
