 lache. Eine freundliche
Bewirtung meiner Gäste war damals das Ende des Tages. Wir suchten in der
folgenden Zeit eine Stelle, an welcher das Bild am vorteilhaftesten aufgehängt
werden könnte. Roland erhielt eine Belohnung in einem Werke, das er sich schon
längst gewünscht hatte, und Eustach, das sah ich wohl, fand seine schönste
Befriedigung darin, dass er näher in unsere Kunstkreise gezogen wurde. Dem Manne,
von welchem das Bild in seinem verstümmelten Zustande gekauft worden war, gab
ich noch eine Summe, mit welcher er weit über seine Erwartung abgefunden war;
denn das Bild hätte er doch nie herstellen lassen können, er wäre auch auf den
Gedanken nicht gekommen, und ohne Roland wäre das Bild nicht verkauft worden,
bis es immer mehr verfallen und einmal vernichtet worden wäre. Oft stand ich in
späteren Zeiten noch davor und hatte manche Freude in Betrachtung des Werkes.
Ich sah das Angesicht und die Hände der Mutter an, und sah das teils nackte,
teils durch schöne Tücher schicklich verhüllte Kind. Ein dem Lande Italien so
häufig zukommendes Zeichen ist es, dass das Kind nicht in den Armen der Mutter
gehalten wird, sondern dass es mit schönem Hinneigen zu derselben und von ihr
leicht und sanft umfasst auf einem erhöhten Gegenstande vor ihr steht. Der
Künstler hat dadurch nicht nur Gelegenheit gefunden, den Körper des Kindes in
einer weit schöneren Stellung zu malen, als wenn er von der Mutter an ihren
Busen gehalten gewesen wäre, sondern er hat noch den weit höheren Vorteil
erreicht, das göttliche Kind in seiner Kraft und in seiner Freiheit zu zeigen,
was die Wirkung hat, als ehrten wir gleichsam schon die Macht, mit welcher es
einstens handeln wird. Dass südliche Völker den Heiland als Kind in so großer
sinnlicher Schönheit malen, hat mich immer entzückt, und wenn auf meinem Bilde
das heilige Kind eher wie ein kräftiger, wunderschöner Leib des Südens aussieht,
so beirrt mich das nicht, sehen doch die Jesuskinder und die Johanneskinder des
herrlichen Raffael auch so aus, und die Wirkung ist doch eine so gewaltige. Dass
die Mutter, deren Mund so schön ist, die Augen gegen Himmel wendet, sagt mir
nicht ganz zu. Die Wirkung, scheint mir, ist hierin ein wenig überboten, und der
Künstler legt in eine Handlung, die er seine Gestalt vor uns vornehmen lässt,
eine Bedeutung, von der er nicht machen kann, dass wir sie in der bloßen Gestalt
sehen. Wer durch einfachere Mittel wirkt, wirkt besser. Wenn er die Heiligkeit
und Hoheit statt in die erhobenen Augen in die bloße Gestalt hätte legen Können,
wobei die Augen einfach vor sich hinblickten, so hätte er besser getan. Raffael
lässt seine Madonnen ruhig und ernst blicken, und sie werden
