 hervorbrachte, die noch jetzt ihre Macht auf uns
äußern und uns mit Staunen erfüllen. Es ist die Seele, die da spricht und in
ihrer Reinheit und in ihrem Ernste uns mit Bewunderung erfüllt, während spätere
Zeiten, von denen Eustach zahlreiche Abbildungen von Bildwerken vorlegte, trotz
ihrer Einsicht, ihrer Aufgeklärteit und ihrer Kenntnis der Kunstmittel nur
frostige Gestalten in unwahren Flattergewändern und übertriebenen Gebärden
hervorbrachten, die keine Glut und keine Innigkeit haben, weil sie der Künstler
nicht hatte, und die nicht einmal irgend eine Seele zeigen, weil der Künstler
nicht mit der Seele arbeitete, sondern mit irgend einer Überlegung nach eben
herrschenden Gestaltungsansichten, weshalb er das, was ihm an Gefühl abging,
durch Unruhe und Heftigkeit des Werkes zu ersetzen suchte. Was die
Sinnfälligkeit anlangt, so schien mir das Mittelalter nicht nach Vollendung in
derselben gestrebt zu haben. Neben einem Haupte, das in seiner Einfachheit und
Gegenständlichkeit trefflich und tadellos war, befinden sich wieder Bildungen
und Gliederungen, die beinahe unmöglich sind. Der Künstler sah dies nicht; denn
er fand den Zustand seines Gemütes in dem Ausdrucke seines Werkes, mehr hatte er
nicht beabsichtiget, und nach Verschmelzung des Sinnentumes strebte er nicht,
weil es ihm, wenigstens in seiner Kunsttätigkeit, ferne lag, und er einen Mangel
nicht empfand. Darum stellt sich auch bei uns die Wirkung der Innerlichkeit ein,
obgleich wir, unähnlich dem schaffenden Künstler des Mittelalters, die
sinnlichen Mängel des Werkes empfinden. Dies spricht um so mehr für die
Trefflichkeit der damaligen Arbeiten. Es waren recht schöne Tage, die ich mit
Eustach in diesen Vergleichungen und diesen Bestrebungen hinbrachte.
    Ich wurde auch wieder auf die Gemälde alter und längstvergangener Zeiten
zurückgeführt. Ich hatte in meiner frühesten Jugend eine Abneigung vor alten
Gemälden gehabt. Ich glaubte, dass in ihnen eine Dunkelheit und Düsterheit
herrsche, die dem fröhlichen Reize der Farben, wie er in den neuen Bildern sich
vorstellt, und wie ich ihn auch in der Natur zu sehen meinte, entgegen und weit
untergeordnet sei. Diese Meinung hatte ich zwar fahren gelassen, als ich selber
zu malen begonnen und nach und nach gesehen hatte, dass die Dinge der Natur und
selber das menschliche Angesicht die heftigen Farben nicht haben, die sich in
dem Farbekasten befinden, dass aber dafür die Natur eine Kraft des Lichtes und
des Schattens besitze, die wenigstens ich durch alle meine Farben nicht
darzustellen vermochte. Desohngeachtet war mir die Erkenntnis dessen, was die
Malerkunst in früheren Zeiten hervorgebracht hatte, nicht in dem Masse
aufgegangen, als es der Sache nach notwendig gewesen wäre. Wenn ich gleich im
einzelnen vorgeschritten war und manches in alten Bildern als sehr schön erkannt
hatte, so war ich doch fort und fort zu sehr in meinen Bestrebungen auf dem
Gebiete der Natur
