 Teone Lara und die reizende Hildegard Salt, zwei innige
Freundinnen, die immer Arm in Arm gingen, gleiche Ballroben trugen, und im
Anfange des Winters geschworen hatten, einander nie zu verlassen, ein Schwur,
gegen dessen Erfüllung sich die einzige Schwierigkeit erhob, dass ihre Eltern den
Sommer über in den beiden entgegengesetzten Ecken der Provinz wohnten. Beide
waren schwärmerische Naturen, die alle Gefühle miteinander teilten, beide
sangen, beide spielten den Flügel, beide liebten dieselben Dichter, beide hatten
einen unüberwindlichen Abscheu vor Herren mit Kinnbärten, beide saßen wie zwei
Sympatievögel zusammen und fanden ihr höchstes Glück darin, einander die
Gefühle ins Ohr zu flüstern, die ihnen das Benehmen eines Herrn erregte, oder
das melancholische Vorspiel eines Walzers. Diese beiden schlossen sich bald
innig an Lenore Rotsattel; sie, Valeska Panin und Hortense Leloup bildeten den
Mittelpunkt der braunen Partei; Lenorens stattliche Größe ragte aus dem Kreise
dieser Getreuen hervor, wie die Gestalt eines Häuptlings unter seinen Kriegern.
Wenn ein Tanz beendet war, machte sich's von selbst, dass die Braunen
zusammentraten; wenn sie in der Quadrille gegeneinander tanzten, so erhoben sie
unmerklich ihren Strauss und grüßten einander.
    Natürlich war Anton braun, braun vom Kopf bis zum Fuß, und als er über seine
Gemütsstimmung ein offenes Bekenntnis ablegte, indem er an einem Abend in Braun
und weissgestreifter Ballweste erschien, wurde er in der ersten Tour des
Kotillons von allen Damen der Partei auf Verabredung geholt, ein Ereignis,
welches sogar bei den Ehrendamen am Rande des Salons große Aufregung
hervorbrachte. Es tut dem wahrhaftigen Geschichtsschreiber leid, zu melden, dass
Fink unter die Grünen gerechnet wurde, nicht unbedingt, denn er behandelte, wie
die Braunen behaupteten, seine grünen Tänzerinnen sehr nachlässig, aber da
Eugenie Baldereck seine Dienste vorzugsweise in Anspruch nahm, so war es, wie
Anton entschuldigend sagte, seinem Freunde nicht möglich, sich dem Einfluss
dieser Farbe ganz zu entziehen. Nun begab sich folgendes:
    Teone Lara hatte ein Tagebuch, in das sie ihre Empfindungen mit einer
schwarzen Krähenfeder durch winzig kleine Buchstaben einzeichnete. Außer der
bereits früher erwähnten Geschichte von den zwei Molchen stand alles andere
darin, was ihr Herz jemals erregt hatte, ihre Ansichten über Natur, die Menschen
und das Kränzchen. Es war ihr höchster Schatz. In einer himmlischen Stunde hatte
sie Hildegard Salt in die Geheimnisse dieses Buches eingeweiht, beide hatten
einander geküsst und viel geweint und über diesem Buch ewige Freundschaft
beschworen. Von da ab führten beide das Tagebuch gemeinschaftlich. Ihre
vertrautesten Gefühle, die allergeheimsten Bemerkungen waren darin
aufgezeichnet. Nach einem Kränzchenabend, wo Lenore sehr nett gegen sie gewesen
war, schlossen sie ihr Herz auch gegen diese auf und zeigten ihr wenigstens
einige Blätter des Buchs. Seit der Zeit hatte
