 und trockenes Quartier gehabt, die Schuhe faulen an
ihren Füßen. Alles, was sie erhalten, und es ist wenig genug, ist von der
schlechtesten Qualität. Das Lazaretwesen ist in einem so scheußlichen Zustande,
dass selbst das vielbesprochene Betrugssystem unserer Gegner schwerlich solche
Schrecken hervorzubringen im Stande ist. Von Medikamenten ist fast keine Spur
vorhanden, Kalomel oft das Einzige, was zu haben ist. Und das ärztliche Personal
- dass Gott erbarm'! Ich habe selbst einen Unterarzt und einen Apotheker, die mir
beide gestanden haben, dass sie der Eine ein Schneider, der Andere ein
bankerotter Kaufmann in ihrer Heimat waren.«
    Der Pole lachte.
    »Sie werden noch ganz andere Dinge hier kennen lernen, Doctor. Der Unsinn
mit den Aerzten kommt davon, weil in den Augen der Türken jeder Franke von Natur
aus ein Hekim ist. Und dennoch, trotz der Wahrheit Ihrer Schilderungen, trotz
der Tatsache, dass diese Menschen seit mehreren Monaten keinen Sold empfangen
haben, mit dessen Hilfe sie bei der Geringfügigkeit ihrer körperlichen
Bedürfnisse sich einige Erleichterung verschaffen könnten, ist ihre Aufopferung
und ihre Geduld wahrhaft heroisch und erhaben. Sie ertragen alle diese
Übelstände mit einer Ergebung, von der unsere europäischen Truppen keine Ahnung
haben würden. Auf dem Schlachtfelde oder auf dem harten Lehmboden des Lazarets,
wo auch der Tod zu ihrem Haupte tritt, sie erleiden ihn ruhig und mutig. Es ist
ihr Kismet, für den Koran zu sterben, was kümmert es sie, ob es durch die Kugel
oder die Krankheit geschieht!«
    Der Arzt hatte die Erfahrung selbst an hundert Sterbelagern gemacht; - es
ist erhaben und empörend, mit welcher Gleichgültigkeit der Orientale das schwere
Geschäft des Sterbens betrachtet.
    »Doch lassen Sie uns den Weg hinauf zur Festung gehen,« unterbrach Makiewicz
ihre Betrachtungen. »Der Kriegsrat scheint beendigt und der Zug des Muschirs
sich in Bewegung zu setzen. Sobald er über die Schanzen der Irregulairen hinaus
ist, wird es hier voll genug werden.«
    Die Beiden, denen sich noch einige andere Offiziere anschlossen, verließen
den Tschardak und gingen durch die traurigen Gassen der Stadt, die bei
schlechter Witterung einer großen Kloake gleichen und von mephitischen Dünsten
erfüllt sind, nach der Festung, die durch einen Graben von der Stadt abgesondert
ist und in der das Serai des Gouverneurs liegt. Hier auf einer Erhöhung postirte
sich die Gesellschaft und sah den Zug herankommen.
    Eine Abteilung der türkischen Husaren eröffnete denselben, ihnen folgte der
Muschir mit seiner zahlreichen Begleitung zu Pferde, der sich die Führer der
Armee von Kalafat und Widdin angeschlossen. Omer-Pascha steht jetzt im Anfang
der Fünfziger. Es ist von mittlerer, etwas gedrängter Gestalt, sein Gesicht ist
nur durch den scharfen unruhigen Ausdruck der Augen von Bedeutung. Seine
