 Herrscher getrieben worden. Jetzt ist der Platz öde und
vereinsamt, aber ein Lieblings-Versammlungsort der Griechen, die hier sich
freier bewegen können, als unter der dichtgedrängten türkischen Bevölkerung von
Stambul selbst. Es war jetzt unter den Griechen kein Geheimnis mehr, dass nach
dem Siege im Rat ein großer Zug zum Palast des Sultans stattfinden sollte, um
von ihm die Ausführung des Divanbeschlusses und den Frieden mit Russland zu
verlangen. Die Masse der Bittsteller musste dieser Demonstration ein drohendes
Gewicht geben. -
    Im Divan wurde die Beratung stürmisch. Da Reschid-Pascha die bestimmtesten
Weisungen erhalten hatte, konnte er nicht anders, als sich der Partei des
Grosswessirs und Chosrew's anschließen und für den Frieden reden. Das Gold und
die Versprechungen Halil's hatten ihre Wirkung getan, und die Majorität, welche
sich bei der endlichen Abstimmung nach langem und heftigem Streit für die
Einleitung der Friedensverhandlungen auf Grund der Note der vier Grossmächte
erhob, war eine bedeutende.
    Nur die Ulema's und Karaskier's mit dem Scheik ul Islam an ihrer Spitze und
die persönlichen Freunde und Vertrauten des Kriegsministers stimmten dagegen.
    Das Resultat durch rote und weiße Kugeln war kaum bekannt, als der
Seraskier und mit ihm Arif-Hikmet, der Scheik ul Islam und Grossmufti des Reichs,
sich erhoben und in zornigen Reden erklärten, dass sie sich dem Beschlusse nicht
fügen, sondern sofort an das Volk appelliren würden, da der Islam nur durch
einen Sieg über seine Feinde gerettet werden könne. Sie verließen sofort mit
all' ihren Anhängern den Divan und begaben sich nach der Aia-Sophia.
    Dies war Nachmittags um fünf Uhr.
    Eine Menge Volks hatte sich um den Palast der Hohen Pforte versammelt und
wie ein Lauffeuer flog die Kunde durch die weite Stadt.
    Die ausgestellten Boten brachten die Nachricht nach dem Okmeidan; sie war
das Signal zur Demonstration. Fahnen mit den Inschriften: »Frieden mit Russland!«
»Bürgerliche Rechte den Rajah's!« »Es lebe der Kaiser Nicolaus, unser
Beschützer!« - bunte Laternen mit ähnlichen Devisen und Karricaturen auf die
Westmächte tauchten überall wie durch Zauberei auf und Redner erhoben sich auf
den Denksteinen umher und redeten das Volk an.
    Der Gang der Bewegung war offenbar genau vorher bestimmt. Die Menge, die
sich aus den griechischen Quartieren hier versammelt hatte, belief sich auf mehr
als zwanzigtausend Menschen und behauptete den Platz und seine Umgebungen trotz
des stürmischen Wetters, das bereits den ganzen Tag über getobt hatte. Unter dem
Grollen des Donners und dem Leuchten der Blitze, - eine in Konstantinopel in
dieser Jahreszeit nicht ungewöhnliche Erscheinung, - begann sich der Zug zu
ordnen, der noch an demselben Abend seinen Weg nach Tschiragan nehmen und eine
Bittschrift an den Sultan übergeben sollte
